Glasfrosch
Das braucht Mut

In den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas lauern Raubtiere überall – Frösche stehen hoch auf ihrer Speisekarte. Glasfrösche haben daher eine außergewöhnliche Tarnstrategie entwickelt: Ihre durchsichtige Haut macht sie fast unsichtbar. Dieses Studiofoto von Hyalinobatrachium aureoguttatum offenbart das schlagende Herz, Blutgefäße, Knochen und den Verdauungstrakt.
Warum zeigen sie ihr Inneres? Raubtiere sehen sie doch trotzdem. Eine aktuelle Studie klärt auf: Die Tarnung liegt in den Beinen. Als durchsichtigster Körperteil passen sie perfekt zur Helligkeit des Laubs und lassen die Umrisse des Froschs verschwinden.
Pazifischer Barreleye-Fisch
Die Augen haben es

2004 filmte ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) bei 600 m Tiefe vor Kalifornien erstmals einen lebenden Pazifischen Barreleye-Fisch (Macropinna microstoma). Bisher waren nur tote Exemplare bekannt, deren transparente "Haube" – wie eine klare Blase oder ein Astronautenhelm – fehlte, wie Meeresbiologin Dr. Helen Scales in Eye of the Shoal beschreibt.
Das Video zeigte: Die röhrenförmigen, teleskopischen Augen können unter der Haube nach oben, vorn oder unten schwenken. "Der Ozean ist eine grenzenlose 3D-Welt", erklärt Scales. "Viele solcher Fische warten noch auf ihre Entdeckung."
Meerwalnuss
Mit dem Strom schwimmen

"Hirnlos, aber schön" passt zur Atlantischen Meerwalnuss (Mnemiopsis leidyi): Bis zu 97 % Wasser, zerbrechlich, ohne zentrales Nervensystem – stattdessen ein dezentrales Nervennetz. Sie gehört zu den vielen durchsichtigen Planktonorganismen wie Kammquallen, Quallen oder Salpen.
Sie bewegt sich mit kämmenartigen Fäden voran; bei hellem Licht erstrahlt sie in Regenbogenfarben. "Gelatine bietet neutralen Auftrieb und ist günstig herzustellen", sagt Scales – nur Kollagen und Wasser.
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Glasswing-Schmetterling
Windows auf der Welt

Der Glasswing-Schmetterling (Greta oto) aus Mittelamerika, bekannt als "Espejitos" (kleine Spiegel), hat schuppenlose, durchsichtige Flügel mit nanosäulenartigen Strukturen als Antireflex-Beschichtung. Raubtiere erkennen ihn so schlechter.
"Schmetterlingsflügel faszinieren immer wieder", sagt Entomologe und BBC-Moderator Dr. Ross Piper. "Sie dienen Tarnung, Thermoregulation und Pheromonfreisetzung."
Geistergarnele
Verschwindeakt

Viele Garnelen haben durchsichtige Exoskelette, die Inneres wie Eier oder Mahlzeiten enthüllen. Im Wasser verschmelzen sie mit dem Hintergrund, da ihr Brechungsindex dem des Wassers ähnelt.
Einige leben symbiotisch mit Schwämmen oder Anemonen. Diese Geistergarnele ruht auf ihrem Glasschwamm.
Schildkrötenkäfer
Versteckt sich vor aller Augen

Käfer machen ein Viertel aller Tierarten aus – dank vielseitiger Elytren. Bei Schildkrötenkäfern sind die transparenten Ränder pigmentfrei, sodass das Blatt darunter durchscheint und die Form täuscht.
"Sie fressen Blätter und tarnen sich so", erklärt Dr. Ashleigh Whiffin vom National Museums Scotland. Larven bauen Kot-Schilder, die sie bewegen können.
Namibischer Sandgecko
Flugsand

Reptilien sind selten durchsichtig, doch der Namib-Sandgecko (Palmatogecko rangei) verschmilzt mit seinen hellen Schuppen in den Dünen. Mit schwimmfüßigen Zehen jagt er Insekten.
Herpetologen vermuten: Aus Wäldern kommend wanderten sie in Wüsten, ihre Klebepads passten sich an – manche verloren sie ganz.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 354 des BBC Science Focus Magazine – Erfahren Sie hier, wie Sie sich anmelden können