Die Region Patagonien in den südlichen Teilen Chiles und Argentiniens ist die Heimat des Patagonischen Schäferhunds. Da diese Rasse von keinem internationalen Zuchtverband anerkannt ist, blieb ihre Herkunft lange ungeklärt.
Ein Team von Genetikern hat nun mittels Genotypisierung – einer effizienten Methode für einen umfassenden Überblick über die DNA ohne vollständige Sequenzierung jedes Gens – die Ursprünge aufgeklärt. Wie in der Fachzeitschrift PLOS Genetics berichtet, analysierten die Forscher 159 Patagonische Schäferhunde aus Chile und Argentinien. Sie verglichen die Daten mit genetischen Profilen von 175 anerkannten Haushunderassen sowie zwei Wildhundarten.
Die Studie ergab zwei zentrale Erkenntnisse über diese faszinierende südamerikanische Rasse.
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Erstens handelt es sich nicht um eine einheitliche Rasse, sondern um zwei genetisch getrennte Populationen. Die Anden mit ihren Eisfeldern bilden eine natürliche Barriere: Nördlich davon ähneln die Hunde stark den Border Collies, südlich den Australian Kelpies.
Trotz des dicken, struppigen Fells, das an den Old English Sheepdog erinnert, steht der Patagonische Schäferhund genetisch näher an Border Collies und Australian Kelpies.
Diese Parallelen überraschen zunächst, passen jedoch zur Geschichte: Patagonien wurde Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts von europäischen Siedlern, darunter vielen schottischen und walisischen Schafzüchtern, kolonisiert – vor der formalen Rassifizierung durch Zuchtverbände wie den Kennel Club. Diese brachten ihre Collie-Vorfahren mit.

Die Forscher schlussfolgern: Alle modernen Hüterhunde teilen einen gemeinsamen Vorfahren von vor 150 bis 200 Jahren. Der Patagonische Schäferhund, der kaum selektiver Zucht unterworfen wurde, repräsentiert diesen "Gründungsschäferhund" am nächsten.
"Durch verschiedene genomische Analysen haben wir die Verwandtschaft zu modernen Herdenrassen geklärt", erklärt Studienerstautorin Natasha Barrios von der Fakultät für Veterinärwissenschaften an der Universidad Austral de Chile. "Der Patagonische Schäferhund ist der nächste lebende Verwandte des gemeinsamen Vorfahren britischer Hüterrassen. Diese Ergebnisse beleuchten auch historische Migrationsmuster der Menschen."