Britische Forscher der University of Southampton haben einen Bluttest entwickelt, der vorhersagen kann, welche COVID-19-Patienten das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben.
Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Respiratory Research, zeigt, dass der Test auf fünf Zytokine – Proteine, die bei Infektionen in den Blutkreislauf freigesetzt werden – Patienten mit potenziell lebensbedrohlicher Überreaktion des Immunsystems identifizieren kann.
Zytokine unterstützen das Immunsystem bei der Bekämpfung von Infektionen, doch eine Überproduktion führt zu Hyperinflammation, die Organe schädigen oder zum Tod führen kann.
Der Test ermöglicht es, COVID-19-Patienten mit erhöhtem Risiko für Hyperinflammation oder Zytokinsturm früh zu erkennen und Therapien gezielt anzupassen, um die Immunantwort zu modulieren.
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„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Tests sowohl auf COVID-19 als auch auf Zytokine am Point-of-Care machbar sind und in Zukunft infizierte Patienten sowie die optimale Behandlung nahezu in Echtzeit identifizieren können“, erklärt Dr. Tristan Clark von der University of Southampton, Mit-Leiter der Studie.
Zwischen dem 20. März und 29. April 2020 analysierten die Wissenschaftler Blutproben von 100 COVID-19-Patienten.
Sie fanden hohe Konzentrationen der Zytokine IL-6, IL-8, TNF, IL-1β und IL-33, die mit einem erhöhten Bedarf an Intensivtherapie, künstlicher Beatmung und Sterblichkeit korrelierten. Besonders IL-1β und IL-33 zeigten starke Effekte.
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Das Team erwartet, dass Ärzte durch Identifikation der treibenden Zytokine gezielte Blocker einsetzen können. Ein IL-33-Blocker wird bereits in britischen Studien getestet.
„Diese Ergebnisse aus unserem laufenden COVID-Forschungsprogramm in Southampton identifizieren Schlüsselentzündungssignale, die die Entwicklung von Behandlungsstrategien lenken werden“, betont Professor Tom Wilkinson, Mit-Leiter der Studie. „Nur durch Krankheitsstratifierung können wir Mechanismen und passende Therapien präzise ansteuern.“