Bei Nektar gilt: Süßer ist nicht immer besser. Hohe Zuckerkonzentrationen verlangsamen Hummeln und erhöhen ihren Energieverbrauch, wie Forschende der University of Cambridge in einer neuen Studie belegen.
Hummeln saugen Nektar aus Blüten und geben ihn im Nest durch Erbrechen an die Kolonie weiter.
Zucker macht Nektar attraktiv und energiereich. Doch mit steigendem Zuckergehalt wird er zäher und klebriger – was Trinken und Erbrechen erschwert und mehr Zeit sowie Energie kostet.
Die Studie im Journal of the Royal Society Interface analysierte das Saugen und Erbrechen bei der weit verbreiteten Bombus terrestris, der Großen Erdhummel.
Zuckerarmer Nektar lassen Hummeln schnell trinken und erbrechen. Bei höherem Zuckergehalt dauert das Trinken länger, das Erbrechen wird jedoch rapide schwieriger.
Dr. Jonathan Pattrick, ehemaliger Doktorand an den Fakultäten für Pflanzenwissenschaften und Zoologie der University of Cambridge und nun Postdoktorand am Institut für Zoologie der University of Oxford, ist Erstautor: „Hummeln balancieren energiereichen Nektar gegen die Zeit für Aufnahme und Abgabe. Die Zuckerkonzentration beeinflusst ihre Nahrungssuche direkt.“
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Bisher war bekannt, dass Hummeln zuckerreichen Nektar langsamer trinken. Der Einfluss aufs Erbrechen wurde jedoch erstmals detailliert untersucht.
Die Ergebnisse helfen, optimale Nektarqualitäten für Bestäuber vorherzusagen – und damit passende Pflanzen für Züchter zu empfehlen, um Bestäubung und Erträge zu steigern.
Im Labor der Pflanzenwissenschaften-Abteilung sammelten Hummeln Zuckerlösungen in drei Konzentrationen. Forscher maßen Zeit und Gewicht. Beim Rückkehr ins „Nest“ protokollierten sie die Erbrechdauer.
„Schwachen Nektar erbrachen sie in Sekunden und flogen sofort neu los“, erklärt Dr. Pattrick. „Dickflüssigen Nektar spuckten sie bis zu einer Minute lang aus.“
Bei jeder Konzentration erbrechen Hummeln schneller als sie trinken. Doch mit zunehmender Klebrigkeit sinkt die Erbrechrate stärker als die Trinkrate.
„Dickflüssiges Saugen ist schwer – Erbrechen durch den Rüssel noch mehr“, sagt Dr. Pattrick. „Jede Hummelart optimiert ihre Energiebilanz bei einer spezifischen Konzentration.“
Die Forschung finanzierten der Biotechnology and Biological Sciences Research Council.