Das Sprichwort „Einem alten Hund kann man keine neuen Tricks beibringen“ – gilt das auch für streunende Hunde?
Als Experten für Tierverhalten haben Wissenschaftler untersucht, ob Hunde menschliche Kommandos angeboren verstehen oder ausschließlich durch Training lernen. Eine aktuelle Studie in Frontiers in Psychology belegt: Ungeschulte streunende Hunde können menschliche Zeigegesten erfolgreich deuten.
In dem Experiment folgten rund 80 % der teilnehmenden Hunde Gesten, die auf einen bestimmten Ort hinwiesen – obwohl sie nie trainiert worden waren.
Die Forscher schließen daraus, dass diese Tiere komplexe menschliche Signale durch bloße Beobachtung lernen. Dies könnte helfen, Konflikte zwischen Streunern und Menschen zu mindern.
Dr. Anindita Bhadra vom Indian Institute of Science Education and Research in Kalkutta, Indien, und ihr Team testeten 160 allein unterwegs befindliche Streunerhunde in indischen Städten. Sie platzierten zwei abgedeckte Schalen neben den Tieren.
Mehr spannende Fakten zu Hunden:
- Hunde erkennen vertraute Wörter, auch von Unbekannten – Studienergebnisse
- Ihr zweijähriger Hund ist 40 in Menschenjahren, nicht 14
- Die geheime Superkraft der Hunde: nicht Intelligenz, sondern Liebe
Ein Forscher deutete dann entweder kurz oder wiederholt auf eine Schale und notierte, ob der Hund der Geste folgte. Zudem wurde der emotionale Zustand der Hunde erfasst.
Etwa die Hälfte der Hunde ignorierte die Schalen. Diejenigen, die reagierten, wirkten freundlicher und weniger ängstlich – und 80 % folgten der Geste korrekt, unabhängig von Dauer oder Wiederholung.
Die Ergebnisse zeigen: Streunerhunde entschlüsseln komplexe Gesten instinktiv, betonen die Experten.
Dr. Bhadra erklärt: „Es ist beeindruckend, dass Hunde einer abstrakten Geste wie einem kurzen Zeigen folgen. Sie beobachten Fremde genau und nutzen ihr Menschenverständnis für Entscheidungen. Das unterstreicht ihre Intelligenz und Anpassungsfähigkeit.“
Die Studie deutet auf eine angeborene Fähigkeit hin, die über Training hinausgeht. Scheue, ängstliche Hunde nahmen jedoch seltener teil – weitere Forschung zur Persönlichkeitsabhängigkeit ist nötig.
Hunde wurden vor 10.000 bis 15.000 Jahren domestiziert und gezielt auf Nützlichkeit und Empfänglichkeit für menschliche Signale gezüchtet. Ob dies rein erlernt oder angeboren ist, klärt diese Studie neu.