- Wissenschaftler haben entschlüsselt, wie Schiffshalter (Remoras) sich nahtlos an anderen Fischen festsaugen.
- Die Saugscheibe des Schiffshalters enthält elastische Kollagenfasern, die den Kontakt zu unebenen Oberflächen maximieren.
- Basierend darauf entwickelten Forscher einen innovativen Saugnapf, der 3,5-mal länger haftet als konventionelle Modelle.
Der Schiffshalter, ein Fisch von 30 bis 110 cm Länge in tropischen Gewässern, ist der ultimative Anhalter der Meere. Er nutzt eine modifizierte Kopfflosse als Saugnapf, um sich an Wirtstieren festzuhalten – sogar an Fischen bis zu 20-mal größer.
Ihre Saugnäpfe sind derart leistungsstark, dass Schiffshalter an Haien oder Delfinen haften bleiben, selbst wenn diese aus dem Wasser springen.
Forscher der Beihang-Universität in China haben nun einen Saugnapf nach Remora-Vorbild konstruiert, der nahezu 3,5-mal länger als herkömmliche Silikon-Saugscheiben hält.
„Uns faszinierte, wie Schiffshalter-Saugnäpfe auf rauen Oberflächen wie Haifischhaut haften, trotz hoher Geschwindigkeiten“, erklärt Juan Guan vom Forschungsteam.

Um das Prinzip zu ergründen, analysierten die Experten das Gewebe der weichen Lippe des Saugnapfs. Sie fanden eine Schicht vertikal ausgerichteter Kollagenfasern direkt unter der Haut, die hohe Elastizität bieten und den perfekten Kontakt zu unebenen Fischkörpern gewährleisten.
Diese Flexibilität passt sich an Irregularitäten an und schafft gleichzeitig eine dichte, vakuumdichte Abdichtung.
„Dieser bioinspirierte Saugnapf birgt enormes Potenzial für Anwendungen“, betont Li Wen, leitender Mitautor der Studie. „Wir könnten ihn mit Sensorik kombinieren, um Meerestiere wie Thunfische, Wale und Haie nicht-invasiv zu tracken – ideal zur Erforschung von Wanderwegen und Laichgründen.“
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