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Geheimnis der schillernd blauen Früchte von Viburnum tinus entschlüsselt

Die faszinierende schillernde blaue Farbe der Früchte von Viburnum tinus, einem weit verbreiteten immergrünen Strauch im Vereinigten Königreich, entsteht durch Fette, die die Zellwände der äußeren Schale auskleiden. Das haben Wissenschaftler in einer renommierten Studie herausgefunden.

Forscher der University of Cambridge und Kollegen stellten fest, dass diese metallisch blaue Frucht, ein beliebter Nahrungsquelle für Vögel, ihre Farbe nicht allein Pigmenten verdankt.

Stattdessen nutzt V. tinus das Phänomen der Strukturfarbe, um blaues Licht zu reflektieren – ähnlich den brillanten Tönen in Pfauenfedern.

Die auffällige Blaufärbung rührt von winzigen Strukturen aus Lipiden (Fetten) her, wie die Experten erklären. Es handelt sich um die erste bekannte lipidbasierte Struktur dieser Art.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Current Biology publiziert.

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Studienautorin Dr. Miranda Sinnott-Armstrong von der University of Colorado Boulder erklärt: „Der metallische Glanz der Viburnum-Früchte ist außergewöhnlich. Deshalb haben wir die Zellwandstruktur mittels Elektronenmikroskopie untersucht. Wir entdeckten etwas Einzigartiges: Schicht um Schicht winziger Lipidtröpfchen.“

Während die meisten natürlichen Farben auf Pigmente zurückgehen, gibt es seltene Ausnahmen wie bei Pfauenfedern, Schmetterlings-Schuppen oder Käferpanzern, deren Farbe strukturell bedingt ist.

Strukturfarbe entsteht durch Lichtreflexion an komplexen, mehrschichtigen Nanostrukturen, die ein irisierendes Schillern erzeugen – die Farbe variiert je nach Blickwinkel.

Bei Tieren ist das bekannt, doch nur wenige Pflanzenarten weisen strukturell gefärbte Früchte auf, betonen die Forscher.

Geheimnis der schillernd blauen Früchte von Viburnum tinus entschlüsselt

Dr. Sinnott-Armstrong: „V. tinus demonstriert nicht nur einen völlig neuen Mechanismus der Strukturfarbe, sondern zählt zu den wenigen bekannten Beispielen für strukturell gefärbte Früchte.“

Die Lipidstrukturen liegen in der Zellwand der äußeren Fruchtschale; darunter befindet sich eine Schicht dunkelroter Anthocyanin-Pigmente.

Licht, das nicht reflektiert wird, absorbiert das rote Pigment, verhindert Rückstreuung und verstärkt so den blauen Eindruck, erläutern die Wissenschaftler.

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Die Kombination aus intensivem Blau und hohem Nährwert diene als „ehrliches Signal“, das die Früchte für Vögel unwiderstehlich macht – und der Pflanze durch bessere Samenverbreitung nutzt.

Dr. Sinnott-Armstrong: „Ehrliche Signale bei Früchten sind rar. Falls die Strukturfarbe hier eines ist, wäre es ein faszinierendes Beispiel: Farbe und Nährstoffe speisen aus gleicher Quelle – Lipiden in der Zellwand. Solche Nanostrukturen sind neu und laden zu weiteren Untersuchungen ein.“