Im Mai 1983 veröffentlichten zwei Teams in derselben Ausgabe der renommierten Zeitschrift Science bahnbrechende Ergebnisse: Sie identifizierten ein Virus, das eng mit AIDS verknüpft ist. Weder das US-amerikanische Team vom National Cancer Institute noch das französische vom Pasteur-Institut in Paris konnten den Zusammenhang zu 100 Prozent beweisen, doch ihre Funde wurden rasch für die Entwicklung von Therapien genutzt. Das US-Team unter Leitung von Robert Gallo bestätigte später den AIDS-Bezug und benannte das Virus Human Immunodeficiency Virus (HIV). Dieses zeitgleiche Ergebnis entfachte jedoch einen jahrelangen Konflikt zwischen Gallo und Luc Montagnier, dem Leiter des Pariser Teams.

Der Streit drehte sich zunächst um die Tantiemen aus einem HIV-Bluttest. 1987 legten die Regierungen der USA und Frankreichs den Konflikt bei, indem sie beide Teams als Mitentdecker anerkannten. Später wurde Gallos Team vorgeworfen, das Virus unrechtmäßig vom französischen Team bezogen zu haben – ein Vorwurf, den unabhängige Ermittler zurückwiesen. Die Auseinandersetzungen zogen sich bis 2002 hin, als beide Seiten übereinkamen: Montagniers Team hatte HIV entdeckt, Gallo den AIDS-Zusammenhang zuerst nachgewiesen. Dennoch loderte 2008 die Debatte erneut auf, als der Nobelpreis allein an Montagnier ging und Gallos Verdienste übergangen wurden.