Der Diabolische Eisenkäfer aus der Wüste im Südwesten der USA besitzt ein Exoskelett von extremer Robustheit – stark genug, um einem Überfahren standzuhalten. Materialwissenschaftler der University of California, Irvine (UCI), haben die Ursachen dieser außergewöhnlichen Widerstandsfähigkeit erforscht und daraus innovative Verbundmaterialien entwickelt.
"Der Ironclad ist ein terrestrischer Käfer, also ist er nicht leicht und schnell, sondern eher wie ein kleiner Panzer gebaut", erklärt David Kisailus, Professor für Materialwissenschaft und -technik an der UCI und Leiter der Studie. "Das ist seine Anpassung: Er kann nicht wegfliegen, also bleibt er einfach stehen und lässt seine speziell entworfene Rüstung den Missbrauch aushalten, bis das Raubtier aufgibt."
Das Forschungsteam führte Kompressionstests durch und stellte fest, dass die Käfer einer Kraft von bis zu 39.000-fachem ihres Körpergewichts standhalten. Das entspricht für eine 60 kg schwere Person einem Gewicht von 2.340 Tonnen.
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Die außergewöhnliche Stärke des Insekts rührt von seinen Flügeldecken her. Bei fliegenden Käfern dienen diese verhärteten Vorderflügel dazu, die empfindlichen Hinterflügel zu schützen. Beim Diabolischen Eisenkäfer sind sie jedoch verschmolzen und bilden einen massiven Schutzschild.
Mithilfe fortschrittlicher Mikroskopie und Spektroskopie analysierten die Forscher die Flügeldecken. Sie bestehen aus einer Proteinmatrix und Schichten aus Chitin, einem faserigen Material in Insektenexoskeletten. Im Vergleich zu fliegenden Käfern weisen sie etwa 10 Gewichtsprozent mehr Protein auf.
Die Forscher untersuchten zudem die mediale Naht, die die Flügeldeckenhälften verbindet – eine Struktur, die an ineinandergreifende Puzzleteile erinnert. "Wenn Sie ein Puzzleteil zerbrechen, erwarten Sie, dass es sich am Hals löst, dem dünnsten Teil", sagt Kisailus. "Aber wir sehen diese Art von katastrophaler Spaltung bei dieser Käferart nicht. Stattdessen delaminiert sie und sorgt für ein elegantes Versagen der Struktur." Die chitinhaltigen Schichten lösen sich bei Belastung schrittweise auf, statt abrupt zu brechen.

Inspiriert von diesem natürlichen Design entwickelten Kisailus und sein Team ein biomimetisches Verbundmaterial mit ähnlichen ineinandergreifenden Elementen. In Kombination mit einer Aluminiumkupplung erwies es sich als deutlich stärker und haltbarer als konventionelle Befestigungen.
Potenzielle Anwendungen sieht das Team in der Luftfahrt, etwa zum Verbinden von Flugzeugsegmenten ohne die Schwachstellen herkömmlicher Nieten.
"Diese Studie schlägt wirklich eine Brücke zwischen Biologie, Physik, Mechanik und Materialwissenschaften hin zu technischen Anwendungen, die man normalerweise in der Forschung nicht sieht", betont Kisailus.