Forschungsteams von der ELTE Eötvös Loránd Universität Budapest und der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben mit dem Vienna Dog Personality Test (VIDOPET) den Charakter von 217 Border Collies im Alter von 6 Monaten bis 15 Jahren untersucht. Vier Jahre später testeten sie 37 der Hunde erneut.
Der VIDOPET bewertet fünf zentrale Persönlichkeitsmerkmale: Geselligkeit-Gehorsamkeit, Aktivität-Unabhängigkeit, Neuheitssuche, Problemorientierung und Frustrationstoleranz.
Der Test umfasst 15 kurze Übungen, die diese Aspekte beleuchten. So misst man Frustrationstoleranz, indem ein Stück Wurst knapp außer Reichweite baumelt. Geselligkeit-Gehorsamkeit wird geprüft, wenn der Besitzer Befehle gibt, während ein Tester den Hund ablenkt.
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Weitere Aufgaben: Den Hund eine Minute allein lassen, ein bewegtes, lauteres Spielzeug präsentieren oder ein T-Shirt anziehen.
Bei Menschen bleibt die Persönlichkeitsreihenfolge zu Gleichaltrigen stabil – wir werden gewissenhafter, doch die Gewissenhaftesten bleiben es. Ähnlich bei Hunden: Die Rangfolge in allen fünf Merkmalen hält an. Reifere Jungtiere verändern sich weniger.
Dennoch entwickeln sich die Merkmale unterschiedlich: Geselligkeit bleibt lebenslang konstant, Frustrationstoleranz steigt leicht. Neuheitssuche hält bis zum dritten Lebensjahr an, lässt dann nach.
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Aktivität-Unabhängigkeit sinkt stark von Welpe bis Adoleszenz, Problemorientierung wächst bis zum sechsten Lebensjahr rapide.
Die Ergebnisse könnten helfen, altersbedingte Defizite bei Senioren-Hunden zu erkennen – etwa hohe Aktivität bei geringer Problemorientierung.
"Durch die detaillierte Beschreibung normativer Persönlichkeitsentwicklungen in verschiedenen Lebensphasen kann unsere Studie altersbedingte Beeinträchtigungen identifizieren", erklärt Leitforscherin Enikő Kubinyi vom Senior Family Dog Project.
"Hunde dienen bereits als Modell für menschliches kognitives Altern – unsere Daten deuten auf ähnliche Regeln bei Persönlichkeitsveränderungen hin."