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Gen-Editierung in Großbritannien: Sollten Nutzpflanzen und Nutztiere gentechnisch optimiert werden?

Anfang Januar 2021 startete eine öffentliche Konsultation in Großbritannien. Sie fragte, ob Organismen, die gentechnisch erzeugt wurden, aber auch durch traditionelle Züchtungsmethoden hätten entstehen können, weiterhin als gentechnisch verändert gelten sollten.

Der Fokus lag auf der Gen-Editierung – auch Genombearbeitung genannt –, einer Technologie, mit der Wissenschaftler DNA präzise hinzufügen, entfernen oder verändern können. Im Unterschied zu älteren transgenen Methoden wird dabei keine fremde DNA eingefügt. Umweltminister George Eustice betonte bei der Eröffnung, dass Gen-Editierung "weniger ethische oder biologische Bedenken" auslöse und "die Regeln der Natur respektiere".

2018 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass gen-editierte Pflanzen wie andere gentechnisch veränderte Pflanzen reguliert werden müssen. Eustice nannte dieses Urteil "fehlerhaft und den wissenschaftlichen Fortschritt erstickend".

Premierminister Boris Johnson teilt diese Sicht. 2019 versprach er, den britischen Biowissenschaftssektor "von den Vorschriften zur genetischen Veränderung zu befreien".

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Gen-Editierung ist eine junge, rasch fortschreitende Technologie. CRISPR/Cas9, die erste gängige Methode, wurde 2012 entwickelt – ihre Erfinderinnen erhielten 2020 den Nobelpreis für Chemie.

Die Meinungen zur Regulierung von gen-editierten Nutzpflanzen und -tieren teilen sich in zwei Lager, erklärt Prof. Katherine Denby von der University of York, die selbst an gen-editierten Nutzpflanzen forscht. Das eine Lager plädiert dafür, Produkte, die auch traditionell züchtbar wären, von GVO-Vorschriften auszunehmen. Das andere fordert strenge Regulierung aller gen-editierten Organismen – wie in der EU. Länder wie USA, Australien und Japan wählen den lockeren Weg.

Aktuelle britische Regeln machen Markteinführungen langwierig und teuer, sagt Denby: "Das blockiert Innovationen bei Nutzpflanzen und Vieh – etwa Krankheitsresistenz, die dem Allgemeinwohl dient." Ihre Forschung repliziert z. B. Resistenz aus Wildsalat in modernen Sorten, schneller durch Gen-Editierung als traditionell.

Gen-Editierung in Großbritannien: Sollten Nutzpflanzen und Nutztiere gentechnisch optimiert werden?

Andere Experten warnen vor Risiken. Dr. Michael Antoniou vom King’s College London, Leiter der Genexpressions- und Therapiegruppe, betont: "Gen-Editierung verändert genetische Zusammensetzung und Genfunktion – damit die Biochemie der Pflanze. Sie ist nicht so präzise wie behauptet und kann unbeabsichtigte Mutationen, Toxine oder Allergene erzeugen." Ohne strenge Kontrollen drohe unkontrollierter Markteintritt.

Antoniou fordert EU-ähnliche Regulierung. Doch Befürworter wie Prof. Denis Murphy von der University of South Wales sehen enormes Potenzial: "Gen-Editierung löst Herausforderungen bei Ernährungssicherheit, Klimawandel und Nachhaltigkeit – bereits in der Medizin bewährt."

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Denby ergänzt: Gen-Editierung macht das britische Ernährungssystem nachhaltiger und gesünder, ist aber kein Allheilmittel. Kritiker wie Gareth Morgan von der Soil Association nennen es "Klebepflaster", das von Systemlösungen ablenkt: "Böden regenerieren, Vielfalt fördern, synthetische Dünger reduzieren."