Seit der ersten Entdeckung des SARS-CoV-2-Virus vor über einem Jahr haben Wissenschaftler weltweit intensive Studien durchgeführt, um seinen Ursprung und den Weg zur Infektion des Menschen zu ergründen.
Überzeugende Belege deuten darauf hin, dass das Virus natürlich entstanden ist, sich vor Dezember 2019 in China verbreitet hat und von einem tierischen Wirt auf den Menschen übertragen wurde. Dennoch bleiben zentrale Fragen offen: Welche Tierarten waren beteiligt, und wann erfolgte der Zoonose-Übergang genau?
Ein enger Verwandter, RaTG13, wurde in Hufeisennasenfledermäusen in einer Höhle in der Provinz Yunnan – fast 1.000 Meilen von Wuhan entfernt – gefunden, wo die Pandemie ausbrach.
Obwohl RaTG13 SARS-CoV-2 sehr ähnlich ist, weist es markante Unterschiede in der Spike-Protein-Rezeptor-Bindungsdomäne auf – dem Schlüsselbereich für die Anheftung an menschliche ACE2-Zellen. Diese machen eine direkte Infektiosität für Menschen unwahrscheinlich, sodass RaTG13 kein unmittelbarer Vorläufer sein kann.
Stattdessen vermuten Experten, dass RaTG13 oder ein ähnliches Virus von Fledermäusen auf einen Zwischenwirt überging, wo es sich weiterentwickelte, bevor es den Menschen erreichte.

Frühe Untersuchungen entdeckten verwandte Viren in Schuppentieren (Pangolinen) in China. Diese waren zwar nicht so eng verwandt wie RaTG13, teilten aber eine ähnliche Rezeptor-Bindungsdomäne, die menschliche Infektionen begünstigen könnte.
Daraus ergab sich die Hypothese einer Rekombination zwischen einem Pangolin- und einem RaTG13-ähnlichen Virus, die ein hochinfektiöses SARS-CoV-2 schuf – den Pandemieauslöser.
Neuere Analysen widerlegen diese Rekombination jedoch und legen nahe, dass SARS-CoV-2 sich über Jahrzehnte in chinesischen Hufeisennasenfledermäusen entwickelt hat, ohne zwingend einen Zwischenwirt für den Menschensprung zu benötigen.
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Um den Ursprung in Fledermäusen oder Zwischenwirten nachzuweisen, führte die WHO kürzlich eine Mission in China durch und testete Tausende Proben aus Wild- und Haustieren. Das direkte Vorläufervirus blieb jedoch unauffindbar.
Möglicherweise lauert es noch in ungetesteten Tierpopulationen nahe Wuhan oder gelangte über Fernhandel dorthin. Die Identifikation tierischer Reservoirs kann Jahre dauern – bei manchen Krankheiten bleibt sie für immer rätselhaft. Die Suche nach SARS-CoV-2-Ursprünge wird dennoch fortgesetzt.
Es gibt triftige Gründe für diese Jagd: Sie offenbart potenzielle Virusreservoirs in Wildtieren, die zukünftige Ausbrüche riskieren – besonders wenn kein Zwischenwirt nötig ist. Zudem könnten verwandte SARS-CoV-Viren entdeckt und präventiv bekämpft werden. Ein tieferes Verständnis schützt langfristig vor neuen Zoonosen und Pandemien.