Erinnern Sie sich, was Sie am 10. Januar 2020 taten? Ein Freitag wie jeder andere – Treffen mit Freunden, Alltag. Heute wirkt diese unbeschwerte Normalität wie eine ferne Erinnerung. Genau an diesem Tag startete der globale Wettlauf um einen Impfstoff gegen das Coronavirus.
An diesem Tag veröffentlichte die chinesische Regierung die genetische Sequenz von SARS-CoV-2, dem Virus hinter der COVID-19-Pandemie. Das ermöglichte Forschern weltweit, in ihren Labors Virusanteile zu produzieren und Impfstoffe zu entwickeln, die uns schützen sollen.
Derzeit arbeiten rund 35 Teams international an Kandidaten. Milliarden fließen von Organisationen und Philanthropen wie Bill Gates, der Fabriken für die sieben führenden Kandidaten finanzieren will.
Teams von Novavax, Moderna und der University of Oxford erhalten Unterstützung von der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI).
Weitere Infos zum Coronavirus:
- Was ist die R-Wert und warum ist sie entscheidend für COVID-19?
- Sollten wir alle Masken tragen?
- Ist Händewaschen der beste Schutz vor COVID-19?
Das Oxford-Team vom Jenner Institute führt derzeit. „Ich erhielt die Sequenz am 10. Januar und verbrachte das Wochenende damit, zu entscheiden, was in unseren Impfstoff geht“, erklärt Dr. Teresa Lambe, Immunologin und Co-Leiterin.
Seitdem arbeitete sie rund um die Uhr: „Kein freies Wochenende, Magenprobleme ignoriert, Geburtstage verpasst, Kinder kaum gesehen. Es war extrem anstrengend.“
Ein zentrales Rätsel der Pandemie: Wann endet sie? Angesichts der Virusverbreitung unwahrscheinlich ohne Immunität. Ein früher Impfstoff bringt Normalität zurück.
Der Weg zur COVID-19-Immunität
SARS-CoV-2 gehört zu den Coronaviren, meist harmlos wie Erkältungen. Doch Ausbrüche wie SARS (2002–2003), MERS (ab 2012) und COVID-19 zeigten ihr Potenzial.
Noch gibt es keinen zugelassenen Impfstoff, doch die Pandemie-Dringlichkeit priorisiert SARS-CoV-2.
Impfstoffe simulieren eine Infektion: Das Immunsystem bildet Antikörper. Bei realer Infektion greifen Gedächtniszellen (B-Lymphozyten) ein.
Alle Kandidaten zielen auf die Spike-Proteine ab, die das Virus in Zellen docken lassen. Diese harmlosen Proteine trainieren das Immunsystem.

Spike-Proteine binden an Rezeptoren in Rachen und Lunge. Antikörper blockieren das.
Oxford injiziert Spike-DNA via viralem Vektor (harmloses Schimpansen-Adenovirus). Moderna nutzt RNA, Pittsburgh ein Mikronadel-Pflaster mit Spike-Protein.

„Der Vektor ist deaktiviert – repliziert nicht, verursacht keine Krankheit“, betont Lambe.
Bislang gestartete Humanstudien: Moderna, CanSino Biologics (Adenovektor) und Oxford.
Testphasen der COVID-19-Impfstoffe
Nach Sequenz-Erhalt klonten Oxford-Wissenschaftler Spike-DNA für Tiertests. „Jeder Impfstoff muss vorklinisch in Tieren geprüft werden“, sagt Lambe.
Ergebnisse: Starke Antikörper, T-Zellen-Aktivierung gegen Virusreplikation.
Die Oxford-Fabrik produziert nun humanen Impfstoff für Klinik.

Phase I: Sicherheit bei 510 Freiwilligen (18–55 Jahre). Dosisüberwachung, Bluttests auf Immunantwort und Nebenwirkungen wie Schmerzen.
Phase II: Ältere ab 56, Kinder. Phase III: 5.000 Teilnehmer, Wirksamkeit im Realtest (Infektionsraten-Vergleich).
Warum Impfstofftests Zeit brauchen
Klinische Studien lassen sich nicht rushen – Beobachtung, Messung, behördliche Prüfungen dauern. Produktionsskalierung folgt.
„Man startet Fertigung erst bei Erfolg“, warnt Dr. John Tregoning, Imperial College.
Oxford skaliert parallel: „Bis Jahresende Millionen Dosen möglich“, sagt Lambe. Zuerst für Risikogruppen.
Mehr zum Coronavirus:
- Wie Schlaf vor COVID-19 schützt
- So entstehen Impfstoffe gegen neue Viren
- Kann Herdenimmunität COVID-19 stoppen?
Schätzungen: Verfügbarkeit in 12–18 Monaten – Rekordzeit statt üblicher 10+ Jahre. Mehrere Impfstoffe wahrscheinlich.
„Verteilte Produktion mit diversen Technologien beschleunigt alles“, ergänzt Tregoning.
Wer impft zuerst?
Begrenzte Mengen priorisieren Gesundheitspersonal, Ältere, Vorerkrankte. „Für uns Normalsterbliche dauert’s länger“, meint Dr. Maria Bottazzi, Baylor University.
Global: Faire Verteilung? Wie bei H1N1 priorisierten Reiche – Herausforderung für Ärmere und neue Technologien.
Nach der Impfung: Zukunftssicher?
Coronaviren tauchen auf. Dr. Shibo Jiang (Fudan-Universität) entwickelte ein einzuatmendes Peptid gegen Spike-Region – wirkt potenziell pandemie-weit.

Publiziert in Cellular & Molecular Immunology. „Zuhause anwendbar, kein Krankenhaus nötig. Nur Finanzierung fehlt.“
Finanziert könnte das zukünftige Pandemien verhindern.
- Erstveröffentlichung: BBC Science Focus, Ausgabe 349