Wir alle wissen, wie dringend wir Bienen schützen müssen. Zahlreiche Faktoren bedrohen ihre Populationen – vom Klimawandel, der Hummelkolonien weltweit dezimiert, bis zu Pestiziden, die die Nahrung verseuchen und die Gehirnentwicklung von Bienenlarven stören.
Eine weitere große Gefahr stellen die Varroa-Milben dar. Diese Parasiten ernähren sich von Bienenlarven im Stock und vermehren sich rasch, bis sie ganze Völker vernichten.
Varroa-Milben übertragen zudem Viren, die sie selbst unbeschadet überstehen, aber bei Bienen zu Flügelverformungen, Lähmungen, Koordinationsstörungen und letztlich zum Koloniekollaps führen.
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Das Flügeldeformationsvirus (DWV), übertragen durch Varroa-Milben, verursacht gekrümmte oder verkümmerte Flügel und beeinträchtigt das Gedächtnis der Bienen. Arbeitsbienen, die für die Nahrungssuche zuständig sind, verirren sich oft und kehren nicht zurück – mit fatalen Folgen für den Stock.
Ohne Behandlung führt der Mangel an Nahrung und Arbeitskräften zum Untergang der Kolonie.
„Krankheitserreger sind ein signifikanter Stressfaktor für Bienen“, erklärt Cheng-Kang Tang, Entomologe und Erstautor einer neuen Studie zum DWV. „Imker scheuen Pestizide aus Lebensmittelsicherheitsgründen. Daher suchten wir nach natürlichen Verbindungen, die die Bienen widerstandsfähiger machen.“
Die Forschung zeigt: Regelmäßige Gabe von Natriumbutyrat (NaB), einer pflanzlichen Verbindung, stärkt Bienenvölker präventiv gegen das DWV.
„Es wirkt wie ein Vitamin für uns Menschen“, so Tang gegenüber BBC Science Focus. „Regelmäßige Zufuhr könnte Honigbienen robuster machen.“
Natriumbutyrat, in vielen Lebensmitteln enthalten, besteht aus Natrium, Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Es entsteht auch im menschlichen Darm durch Milchprodukte und Ballaststoffe.
Bei Bienen aktiviert NaB gezielt Gene, die das Virus angreift – besonders im Gehirn, wo es Lernen und Gedächtnis stört.

Proaktive NaB-Behandlung rettete in Experimenten über fünf Tage mehr als 90 % der Kolonie vor DWV-Infektion. Unbehandelte Völker überlebten nur zu 10 %.
„NaB hochreguliert Immunantwortgene und unterdrückt Virusreplikation“, betont Professor Yueh-Lung Wu, Leiter der Studie. „Das verbessert die Überlebenschancen erheblich.“
„Natriumbutyrat ist günstig und einfach anzuwenden – ideal für Imker“, fügt Wu hinzu. „Honigbienen sind essenziell als Bestäuber für Obst, Gemüse und das Ökosystemgleichgewicht.“
Selbst ohne Virusinfektion steigert NaB die Überlebensrate. Behandelte Kolonien produzierten zudem mehr Honig, wie Tang berichtet. Nächste Forschungen prüfen Auswirkungen auf Landwirtschaft und Honigproduktion.