Stellen Sie sich vor: In einem Paralleluniversum schreibt jemand diesen Artikel – möglicherweise sogar besser. Die Multiversum-Theorie macht solche Ideen plausibel. Viele kennen sie aus der Wissenschaft oder populären Science-Fiction-Produktionen.
Raumschiff Enterprise, Fremde Dinge oder Spider-Man: No Way Home – Film und Fernsehen schwärmen von alternativen Realitäten. Mit dem neuen Marvel-Film Doctor Strange in the Multiverse of Madness erreicht die Theorie nun einen neuen Höhepunkt der Bekanntheit.
Aber was ist das Multiversum genau? Und könnte es sein, dass in einer anderen Realität Sie ein reicher, attraktiver Premier-League-Fußballer sind?
Das Multiversum basiert auf der Idee, dass jenseits unseres beobachtbaren Universums weitere, weit entfernte Universen existieren. Ihre Eigenschaften sind umstritten. Prof. Richard Bower, Kosmologe an der Durham University, bezieht sich auf die vier Ebenen des Multiversums nach seinem Kollegen Max Tegmark.
Die erste Ebene beschreibt ein unendliches Universum, in dem jede mögliche Konfiguration – inklusive einer exakten Kopie der Erde – existiert. Die zweite Ebene variiert physikalische Konstanten, während die Gesetze gleich bleiben. „Das newtonsche Gravitationsgesetz würde mit der Entfernung nachlassen“, erklärt Bower, „aber es könnten vier statt drei räumliche Dimensionen herrschen.“
Die vierte Ebene geht weiter: Vollkommen andere physikalische Gesetze. „Vielleicht existiert eine Mathematik, die wir nicht kennen“, sagt Bower. „Das wird dann wirklich ungewöhnlich.“ Der Trailer zu Doctor Strange deutet auf solche exotischen Varianten hin, etwa mit einer quaderförmigen Dimension.

Die dritte Ebene, die „Viele-Welten“-Interpretation der Quantenmechanik, ist besonders populär. Jede Entscheidung spaltet das Universum in unendliche parallele Realitäten – wie die multiplen Spider-Men in Spider-Man: No Way Home.
„Es gibt unzählige Versionen von Ihnen, doch Sie kennen nur eine“, erläutert Bower am Beispiel des Schrödingerschen Katzenexperiments. „Sie beobachten eine tote Katze, ohne zu ahnen, dass eine Version existiert, in der sie lebt.“
All dies bleibt unbewiesen. Kollisionen benachbarter Universen könnten Spuren wie kalte oder heiße Flecken im kosmischen Mikrowellenhintergrund hinterlassen – der Reliktstrahlung des Urknalls.
Bower hofft, dass Quantencomputer – die Verschränkung und Superposition nutzen – die Viele-Welten-Theorie stützen könnten. Viele Physiker sehen das Multiversum jedoch als philosophische Frage. Bower widerspricht: „Wir müssen kreativer testen und interpretieren.“
Vielleicht hat jemand in einem anderen Universum die Antwort schon gefunden.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 376 des BBC Science Focus Magazine – Hier erfahren Sie, wie Sie sich anmelden können