Die ersten Daten der Sonde Solar Orbiter könnten "eine ganze Reihe zusätzlicher Wunder" über die Sonne enthüllen, die bisher unbekannt sind, so Experten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).
Die ESA hat die erste Datenrunde für die Wissenschaftsgemeinschaft und die Öffentlichkeit freigegeben. Diese stammen von In-situ-Instrumenten wie dem Energetic Particle Detector (EPD), dem Radio and Plasma Waves (RPW)-Instrument und dem Magnetometer (MAG), die die Umgebungsbedingungen des Raumfahrzeugs messen.
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Im Sinne früherer Sonnenphysik-Missionen wurde die Veröffentlichung der Daten auf maximal 90 Tage nach Erhalt auf der Erde beschränkt. "Dies in COVID-19-Zeiten zu erreichen, war eine große Herausforderung", betont Yannis Zouganelis, stellvertretender Projektwissenschaftler bei der ESA. "Wir liefern die Daten planmäßig, damit Wissenschaftler sofort forschen können."
Das Magnetometer (MAG) untersuchte die kleinen Magnetfelder, die das Raumfahrzeug selbst erzeugt. Prof. Tim Horbury vom Imperial College London, Principal Investigator von MAG, lobt die Ingenieure: "Sie haben in den letzten Monaten unglaublich hart gearbeitet. Diese Daten wurden noch nie detailliert analysiert – ich bin sicher, sie bergen neue Wunder, die wir noch nicht kennen."
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Nach der Datenerfassung kalibrieren die Instrumententeams ihre Geräte im Weltraum. Anschließend fließen die verarbeiteten Daten ins European Space Astronomy Centre (ESAC) der ESA bei Madrid, wo sie archiviert und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Zugleich erscheint eine Sonderausgabe der Zeitschrift Astronomy and Astrophysics mit detaillierten Missions- und Instrumentenbeschreibungen. "Jeder Wissenschaftler weltweit kann nun mit diesen einzigartigen Daten arbeiten", sagt Zouganelis. "Hunderte Forscher analysieren sie bereits gemeinsam."
Solar Orbiter soll eine der offensten Weltraummissionen werden – zugänglich für alle, nicht nur die Bau-Teams. Gebaut von Airbus in Stevenage, startete die Sonde am 10. Februar 2020 von Cape Canaveral (NASA).
Sie ist für extreme Bedingungen ausgelegt: sengende Hitze auf einer Seite, tiefe Kälte auf der anderen durch die geschützte Umlaufbahn.
Dr. Caroline Harper, Leiterin der Weltraumwissenschaft bei der UK Space Agency, warnt: "Noch unberechenbarer als das britische Wetter ist das Weltraumwetter. Sonneneruptionen erzeugen hochenergetische Teilchen, die Satelliten schädigen und Stromausfälle verursachen können. Missionen wie Solar Orbiter helfen, diese Risiken besser vorherzusagen und zu mindern."