Fast 40 Jahre lang blieb unser kosmischer Nachbar, der Mond, weitgehend unberührt, während wir andere Teile des Sonnensystems erkundeten. Das änderte sich 2013 mit der Landung von Chinas Lander Chang'e 3. Seitdem boomt das Interesse: NASA, China und private Unternehmen planen Dutzende Roboter- und bemannte Missionen. In den nächsten zehn Jahren wird der Mond lebendiger – und diesmal bleiben wir.
"Der Mond birgt wertvolle Ressourcen für die Weltraumforschung", erklärt Prof. Ian Crawford, Planetengeologe an der Birkbeck University of London. "Besonders Wassereis in den tiefschattigen Kratern der Pole."
Im Unterschied zur Erde ist die Mondachse kaum geneigt. Am Äquator steht die Sonne hoch, an den Polen jedoch tief am Horizont, was permanente Schatten in Kratern schafft. Diese extrem kalten Bereiche – seit Milliarden Jahren sonnenlos – erhalten Wassereis, das nun alle fasziniert.
"Wasser ist essenziell für bemannte Missionen", betont Crawford. "Es dient der Trinkversorgung, atembarem Sauerstoff und als Raketentreibstoff durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff."

Planetengeologen vermuteten jahrelang Mondeis, doch 2018 lieferte der NASA Moon Mineralogy Mapper an Bord des indischen Chandrayaan-1 den ersten eindeutigen Nachweis.
Auf der Erde wiegt ein Kubikmeter Wasser 1.000 kg – teuer im Orbit. Lokale Wassergewinnung würde ambitionierte Projekte auf Mond und Mars ermöglichen.
"Für langfristige bemannte Raumfahrt ist der Mond der ideale Startpunkt", sagt Crawford.
Am Südpol, im riesigen Südpol-Aitken-Becken, konzentriert sich das Eis. Die genaue Form – Blöcke oder feine Körner im Regolith – ist jedoch unklar.
"Wir stecken in der Prospektion", erläutert Crawford. "Sind es große Brocken oder mikrometergroße Partikel?"
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Die NASA schickt 2023 den VIPER-Rover ins Aitken-Becken, um Oberflächen- und Tiefeneis (bis 2 Meter) zu analysieren.
Für Wissenschaftler ist altes Eis ein Zeitkapsel-Fund: Der geologisch tote Mond speichert Urgeschichte von Gesteinsplaneten. Es verrät, wie Kometen und Asteroiden Wasser lieferten – Einblicke auch in die Erdgeschichte.

Polarregionen bergen Herausforderungen: Kein Sonnenlicht für Solarpaneele. VIPER nutzt Batterien für Schattenexkursionen; Basen brauchen hybride Standorte.
"Ideal: Schattiger Krater mit Wasser nahe einem permanent beleuchteten Gipfel für Solarstrom – plus Lava-Höhle als Schutz", beschreibt John Thornton von Astrobotic, VIPER-Transporter. "Solche Orte werden erste Siedlungen beherbergen."
Basen starten mit Erdmodulen, doch In-situ-Ressourcennutzung (ISRU) ist Schlüssel. Regolith-3D-Druck, Eisen- und Titan-Gewinnung aus Gestein (Clementine-Mission 1994 entdeckte Vorkommen in Mare-Regionen) plus Sauerstoff als Bonus.
Helium-3-Vorkommen (Milliarden Tonnen) für Fusionsenergie sind visionär, erfordern aber massive Industrie.

USA und China führen, kooperieren international. "Mondforschung stärkt globale Partnerschaften", hofft Crawford.
Chinas Chang'e-Missionen glänzen: Erste Rückseite-Landung (2019), Südpol-Proben (Chang'e 6, 2023). Mit Europa kooperiert.
US-Artemis: Gateway-Station (Start 2023, Betrieb 2026) mit Partnern Japan, Kanada, ESA. Artemis bringt 2024 die erste Frau zur Oberfläche.

Private Booms dank NASAs Commercial Lunar Payload Services: Astrobotic fliegt 2021 Peregrine mit bezahlbaren Slots (1,2 Mio. USD/kg).
"Zwei Missionen/Jahr – Kommerzialisierung im Gange", sagt Thornton. Universitäten, Firmen, Privatleute buchen.
Viele Landers im Anmarsch – der Mond wird zur belebten Adresse.
- Erstveröffentlichung in BBC Science Focus Magazine Ausgabe 362 – Abonnieren Sie hier
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