Die ersten Monate 2022 brachten nur wenige spektakuläre Himmelsereignisse, doch der Lyriden-Meteorschauer markiert den ersten großen Höhepunkt. Er erreicht diese Woche seinen Zenit und bietet faszinierende Beobachtungsmöglichkeiten.
Wie stellen Sie die besten Bedingungen für die Lyriden-Beobachtung sicher? Was steckt dahinter? Und wann genau lohnt sich der Blick in den Himmel? Hier finden Sie fundierte Antworten basierend auf langjähriger astronomischer Expertise.
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Wann sehen Sie die Lyriden 2022 in Deutschland am besten?
Der Lyriden-Meteorschauer startete am 14. April 2022 und dauert bis etwa 30. April.
Der Höhepunkt fällt auf den 22./23. April, ideal sind die Nächte vom 22. bis 26. April 2022.
Ein dunkler Himmel ist entscheidend. Beim Zenit in der Nacht zum 23. April steht der Mond im Dritten Viertel und geht erst um 3:26 Uhr auf. Er stört kaum. Schauen Sie vor Mondaufgang in einem 60°-Winkel nach oben – Sie sollten ein bis zwei Meteore erspähen.
Obwohl die Lyriden aus dem Sternbild Lyra stammen, richten Sie den Blick auf den dunkelsten Himmelsbereich Ihres Standorts.
Was ist ein Meteorschauer und was löst ihn aus?
Meteorschauer entstehen, wenn die Erde durch Staubtrümmer eines Kometen zieht. Diese Partikel, oft nicht größer als Sandkörner, verglühen in der Atmosphäre und erzeugen helle Spuren.
Überleben größere Brocken den Atmosphäreneintritt, heißen sie Meteoriten. Bekannt ist der Winchcombe-Meteorit, ein 4,6 Milliarden Jahre altes Gestein, das 2021 in Gloucestershire landete.

Warum strahlen Lyriden von einem Punkt aus?
Aus Perspektive: Die Trümmer treffen parallel unsere Atmosphäre. Die Erde-Bewegung verschiebt den scheinbaren Radianten nachtweise leicht. Ein kleiner Radiant deutet auf einen jungen Strom hin.
Richten Sie sich auf Wega, den hellsten Stern der Lyra.

Wie viele Meteore erwarten Sie?
Beim Zenit am 22./23. April beträgt die zenitale Stundenrate (ZHR) 18 Meteore pro Stunde – unter idealen Bedingungen mit Radiant im Zenit.
In der Praxis sichten Beobachter oft 10 bis 20 pro Stunde, Rekorde bis 100.
Woher kommen die Lyriden?
Sie stammen vom Kometen Thatcher (C/1861 G1), der alle 415,5 Jahre die Sonne umrundet. Zuletzt 1861 gesichtet, Rückkehr erst 2276.
Die Lyriden sind einer der ältesten bekannten Schauer: Erste Aufzeichnung 687 v. Chr. – vor über 2.700 Jahren.
Praktische Beobachtungstipps
Wählen Sie lichtarme Orte. In der Höhepunktnacht sind Temperaturen mild (ca. 11 °C in vergleichbaren Regionen) – prüfen Sie Ihre Vorhersage und packen Sie warm.
Lehnen Sie sich zurück, lassen Sie Augen 10–20 Minuten dunkelwerden.
Mit Geduld entdecken Sie die Spuren, die Sekunden sichtbar bleiben. Vermeiden Sie helle Lichter; nutzen Sie Rotfilter fürs Handy.
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