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Projekt Galileo: Harvard-Professor Avi Loeb jagt außerirdische Technologie im Sonnensystem

In Arthur C. Clarkes preisgekröntem Roman von 1973, Rendezvous With Rama, dringt ein mysteriöses, 50 Kilometer langes zylindrisches Raumschiff in unser Sonnensystem ein. Eine internationale Mission wird gestartet, um es abzufangen und zu untersuchen, ehe es in die Tiefen des interstellaren Raums verschwindet.

Was einst Science-Fiction war, wird nun zur harten Wissenschaft: Der Harvard-Astrophysiker Prof. Avi Loeb vermutet, dass 'Oumuamua – das rätselhafte interstellare Objekt von 2017 – ein außerirdisches Artefakt ähnlich wie Ramas Schiff sein könnte. Als Wissenschaftler setzt Loeb auf Fakten. „Darum habe ich Projekt Galileo gegründet“, erklärt er. „Es sucht den Himmel nach dem nächsten 'Oumuamua ab und plant eine Fly-by-Mission zur detaillierten Fotodokumentation.“

Über 100 Experten unter Loebs Leitung verschieben mit Galileo den Fokus der Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI): Weg von biologischen Signalen oder Radiosignalen hin zu Technologie-Artefakten – eine längst überfällige Strategie, meint Loeb.

„Seit 70 Jahren irren wir am falschen Baum“, kritisiert er die jahrzehntelange Jagd nach Funksignalen. „Diese basiert auf der Annahme, Außerirdische nutzen Funktechnologie, die wir erst seit einem Jahrhundert beherrschen. Fortschrittliche Zivilisationen haben sie vielleicht längst hinter sich gelassen. Besser: Nach Alien-Artefakten suchen.“

Nicht jeder teilt diese Sicht. „Artefakt-SETI gewinnt an Boden“, räumt Prof. Jason Wright von der Pennsylvania State University ein, betont aber: „Es wird noch sehr wenig danach gesucht.“

Das ideale Jagdgebiet? Unser Sonnensystem – unser „Briefkasten“, in dem außerirdische „Pakete“ seit 4,55 Milliarden Jahren landen konnten, so Loeb.

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Außerirdische Artefakte im Sonnensystem

Alien-Technologie könnte absichtlich oder zufällig hier stranden. Bereits 1996 wies Dr. Alexey Arkhipov vom Institut für Radioastronomie in Charkiw darauf hin: Kollisionen und Explosionen schleudern Teile unserer Raumfahrt aus dem System – umgekehrt müsste dasselbe gelten.

Arkhipov schätzt: Bei 1 % technologischer Zivilisationen unter nahen Sternen und 1 % ihres Asteroidenmaterials zu „Konsumgütern“ verarbeitet, hätte die Erde 4.000 marmeladengroße Artefakte angesammelt.

Auf der dynamischen Erde schwer zu finden. Besser: Statische Himmelskörper wie der Mond. „Der Mond ist ein Museum“, sagt Loeb. „Wir sollten nach fremder Ausrüstung scannen.“

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Dies erinnert an Clarkes 2001: Odyssee im Weltraum, wo ein außerirdischer Monolith im Tycho-Krater als „Babyalarm“ dient. Loeb mag keine Sci-Fi, doch der Boden ist bereitet.

Erkennung solcher Artefakte? Herausfordernd, da ETs evolutionär fern sein könnten. Doch „ein Höhlenmensch erkennt ein Smartphone als nicht-natürlich“, argumentiert Loeb. „Suchen wir nach Nicht-Felsen – auf Oberflächen und im interplanetaren Raum.“

Das Rätsel um 'Oumuamua

Projekt Galileo: Harvard-Professor Avi Loeb jagt außerirdische Technologie im Sonnensystem

Ende 2017 entdeckte Pan-STARRS auf Hawaii 'Oumuamua: Zu schnell für sonnengebundene Objekte, extrem flach wie ein Pfannkuchen (Fußballfeldgröße), variierende Helligkeit.

Am rätselhaftesten: Nicht-gravitative Beschleunigung weg von der Sonne – ohne sichtbare Ausgasung wie bei Kometen.

Prof. Chris Lintott (Oxford) widerspricht: „Die Ausgasung wäre minimal und unentdeckbar.“ Historisch wurden Phobos/Deimos oder Pulsare fälschlich als ET gehalten.

Weitere Objekte folgten: 2020 SO, ähnlich beschleunigt – doch irdisch: Raketenstufe von 1966.

Loebs Alien-Hypothese polarisiert: Astronomen schlugen Eisberge oder Staubwolken vor, lehnten ET aber ab. „Ein Kollege: 'Oumuamua ist so seltsam – ich wünschte, es gäbe es nicht'“, berichtet Loeb.

Projekt Galileo: Harvard-Professor Avi Loeb jagt außerirdische Technologie im Sonnensystem

Projekt Galileo im Detail

Loeb sucht nun systematisch: Dank 2 Mio. USD von Spendern wie Bruker-CEO Frank Laukien startete Galileo 2021.

Strang 1 (100 Mio. USD): UAP-Monitoring (ehemals UFOs) mit Kameras, Sensoren und KI am Harvard-Observatorium – später global.

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Strang 2 (1 Mrd. USD): Nächstes interstellares Objekt abfangen, fotografieren – ggf. landen wie OSIRIS-REx auf Bennu.

„Im Sonnensystem müssen wir blitzschnell handeln“, warnt Loeb. Potenzial: Neue Tech importieren!

Lintott: „Fabelhaft, wenn Galileo interstellare Objekte populär macht.“ ESA plant Comet Interceptor.

Wie ein Betrunkener unter der Laterne? „Doch unser Hof ist unerforscht“, meint Loeb – „weniger befahrene Wege“ (Robert Frost).

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Suche jenseits des Sonnensystems

Technosignaturen statt Biosignaturen: Besser als O₂/Methan, die abiogen sein können.

James Webb kann FCKWs (ehemalige Kältemittel) detektieren. Andere: Lichtsegel-Überstrahlung, Megastrukturen (Tabby's Star: Staub), beleuchtete Planetenoberflächen.

Proxima b: Gezeitenfest – Nachtseite beleuchtbar, sichtbar mit JWST.

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Schüchterne Aliens?

ETs könnten sich verstecken – zu spät für uns. Oder im Metaverse leben (Clarke-visionär).

Fortschrittliche Intelligenz: „Gott-ähnlich, Universen-schaffend.“ Vorteile: Überleben lernen, Einheit fördern.

Wright: „Chancen? Unklar.“ Loeb: „Milliarden Jahre Vorsprung – gut!“

  • Erstveröffentlichung: BBC Science Focus Magazin 374

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