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HAMLET: Das krebsbekämpfende Molekül aus Muttermilch – Prof. Catharina Svanborg im Interview

Professorin Catharina Svanborg, Expertin für Immunologie an der Universität Lund in Schweden, erklärt BBC Science Focus-Chefredakteur Jason Goodyer die bahnbrechenden Eigenschaften eines Moleküls aus Muttermilch: HAMLET (Human Alpha-lactalbumin Made LEthal to Tumor cells). Dieses natürliche Tumortöter-Molekül wird nun erstmals in Humanstudien getestet.

Wie entdeckten Sie HAMLET?

Wir suchten gezielt nach natürlichen antibakteriellen Substanzen in Körperflüssigkeiten. Als wir Lungenkrebszellen mit Muttermilch inkubierten, starben die Tumorzellen ab. Wir wiederholten das Experiment mehrmals, um sicherzugehen.

War es reine Muttermilch?

Nein. Muttermilch enthält eine Fülle schützender Moleküle für Säuglinge – Antikörper, Zucker, Lipide. Wir testeten Fraktionen und fanden eine, die Tumore abtötete. Sie muss speziell behandelt werden, um HAMLET zu bilden – nicht die rohe Milch direkt.

Wie wirkt HAMLET?

HAMLET greift die primitiven Membranen von Krebszellen an, dringt ein und löst Ionenströme aus. Im Zellkern bindet es an DNA und Proteine, blockiert die Neusynthese und tötet die Zelle – wie Zement, der alles verstopft.

Welche Rolle spielt HAMLET in der Muttermilch?

Wir vermuten einen Schutz im Babydarm: HAMLET eliminiert virusinfizierte oder krebsähnliche Zellen, bevor sie sich ausbreiten – wie natürliche Aasfresser. Studien deuten auf Stillenschutz vor Lymphomen und Darmkrebs hin.

Welche Tierversuche und In-vitro-Studien gab es?

In-vitro tötete HAMLET diverse Krebszelllinien (Karzinome, Leukämie) durch Apoptose – ein universeller "Knopf" in Tumorzellen. Tiermodelle: Gehirntumore (lokale Injektion), Dickdarm- und Blasenkrebs bei Mäusen zeigten starke, dosisabhängige Effekte.

Gibt es eine synthetische Version?

Ja, der aktive Teil von HAMLET ist synthetisierbar. Er wird nun in sterilen Hochleistungsanlagen produziert.

Erste Humanstudien?

Ende Juni endet unsere doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei oberflächlichem Blasenkrebs. Frühere akademische Versuche waren positiv. Bisher keine schweren Nebenwirkungen – ein Meilenstein. Die Wirksamkeit steht noch aus.

Hören Sie das vollständige Interview mit Prof. Catharina Svanborg im Science Focus Podcast