Kürzlich fiel mir eine reißerische Schlagzeile auf: „Nur drei Eier pro Woche erhöhen das Herzrisiko.“
Diese Meldung basiert auf einer Studie in der JAMA, bei der Forscher 29.000 Amerikaner beobachteten, die vor Jahrzehnten Ernährungsfragebögen ausfüllten. Manche waren in der Folge verstorben.
Die Analyse ergab: Ein halbes Ei mehr pro Tag steigert das Risiko für Herzkrankheiten um 6 Prozent. Als jemand, der Eier zum Frühstück liebt, lasse ich mich davon nicht beunruhigen. Hier ist warum – gestützt auf meine langjährige Expertise in Ernährungsforschung.
Erstens: Der Mythos, Eier seien wegen ihres Cholesterins schädlich, ist widerlegt. Das Cholesterin aus der Nahrung beeinflusst unseren Blutcholesterinspiegel kaum – die Leber produziert den Großteil.
Zweitens: Die Studie hat einen entscheidenden Schwachpunkt. Sie erfasste Essgewohnheiten nur einmal zu Studienbeginn, dann folgte eine 17-jährige Beobachtung. Ernährung ändert sich jedoch ständig.
Am wichtigsten: Diese Ergebnisse widersprechen großen, zuverlässigen Studien. Die Nurses’ Health Study und Health Professionals’ Follow-up mit über 118.000 Teilnehmern fanden keinen Zusammenhang zwischen Eiern und Herzrisiko oder Sterblichkeit. Eine Meta-Analyse im British Medical Journal mit mehr als 3 Millionen Erwachsenen bestätigt das. Deshalb rät der NHS: „Keine Obergrenze für Eierverzehr.“
Eine chinesische Studie mit über 500.000 Teilnehmern (Heart) zeigt sogar: Täglicher Eierverzehr senkt das Risiko für Herzinfarkt um 18 Prozent und Schlaganfall um 28 Prozent im Vergleich zu Eiervermeidern.
Eier sind eine hervorragende Proteinquelle, die lange satt hält, und liefern fast alle essenziellen Vitamine und Mineralstoffe – darunter Vitamin B12, B2 (Riboflavin), A und Selen. Mit nur rund 80 Kalorien pro Ei sind sie ideal gekocht, als Rührei oder Omelett.
- Diese Kolumne erschien erstmals in der Juli-Ausgabe 2019 von BBC Science Focus – hier abonnieren.