Alpträume können uns auf potenziell bedrohliche Situationen vorbereiten, wie eine Studie der Universität Genf, der Universitätskliniken Genf und der University of Wisconsin-Madison ergab.
Die Wissenschaft kennt noch viele Unbekanntes über das Träumen. Es ist unklar, ob wirklich jeder träumt: Jeder durchläuft REM-Schlafphasen, doch Menschen, die angeben, nie zu träumen, erinnern sich möglicherweise einfach nicht daran. Auch der genaue Mechanismus der Traumgenerierung im Gehirn ist nicht vollständig erforscht.
Viele Neurowissenschaftler gehen seit Langem davon aus, dass Alpträume es uns ermöglichen, gefährliche Szenarien sicher zu simulieren, bevor sie real eintreten. Neue Forschung untermauert diese Theorie.
Die Forscher equipierten 18 Freiwillige mit EEG-Headsets während des Schlafs und weckten sie mehrmals in der Nacht, um nach Träumen und deren emotionaler Belastung zu fragen. Die Antworten wurden mit der aufgezeichneten Gehirnaktivität abgeglichen.
Bei "gruseligen" Träumen zeigten sich erhöhte Aktivitäten in der Insula und im cingulären Kortex. Die Insula bewertet tagsüber emotionale Reize, der cinguläre Kortex bereitet den Körper auf Bedrohungen vor – die klassische "Kampf-oder-Flucht"-Reaktion.

Im zweiten Experiment führten 89 Teilnehmer ein Traumtagebuch über eine Woche. Anschließend wurden sie belastenden Bildern in einem MRT-Scanner ausgesetzt. Bei Personen mit vielen Alpträumen reagierten Insula, cingulärer Kortex und Amygdala – das Angstzentrum – schwächer. Zudem zeigte sich mehr Aktivität im medialen präfrontalen Kortex, der Angstreaktionen dämpft.
"Träume dienen als Training für reale Reaktionen und bereiten uns auf Gefahren vor", erklärt Studienleiter Lampros Perogamvros, leitender Dozent am Zentrum für Schlafmedizin der Universitätskliniken Genf.