- Forscher in China haben zwei Hauptstämme des Coronavirus beim Menschen identifiziert.
- Die Häufigkeit des aggressiveren L-Typ-Stamms nimmt ab – dank effektiver menschlicher Interventionsmaßnahmen.
- Keine Hinweise darauf, dass dies Impfstrategien beeinflusst.
Chinesische Wissenschaftler von der School of Life Sciences der Universität Peking und dem Pasteur-Institut Shanghai haben zwei Hauptstämme des nun als SARS-CoV-2 bekannten Coronavirus identifiziert. Dies deutet auf eine natürliche Mutation des Virus hin.
Der aggressivere und neuere L-Typ-Stamm war in etwa 70 Prozent der analysierten Fälle vertreten, während der ältere S-Typ den Rest ausmachte.
In den frühen Phasen des Ausbruchs in Wuhan, wo COVID-19 Ende 2019 erstmals entdeckt wurde, dominierte der L-Typ-Stamm. Doch ab Anfang Januar ließ seine Häufigkeit nach – ein Effekt, den die Forscher auf strenge Kontrollmaßnahmen zurückführen.
Der S-Typ-Stamm infiziert hingegen weiterhin Patienten. Experten erklären dies damit, dass er milder verläuft: Betroffene tragen das Virus länger bei sich, bevor sie medizinische Hilfe suchen, was die Übertragung begünstigt.
In der Fachzeitschrift National Science Review fordern die Autoren: „Diese Ergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf an umfassenden Studien, die genomische, epidemiologische und klinische Daten zu COVID-19-Patienten integrieren.“
Unabhängige Experten wie Dr. Michael Skinner, Virologie-Dozent am Imperial College London, nennen die Beobachtung interessant, warnen jedoch vor voreiligen Schlüssen. „Es ist zu früh für praktische Konsequenzen“, betont er. Zudem gibt es keine Anzeichen, dass die Mutationen das S1-Spike-Protein betreffen – das zentrale Ziel aktueller Impfstoffe.