Die klinischen Studien zum vielversprechenden COVID-19-Impfstoff von University of Oxford und AstraZeneca wurden vorübergehend ausgesetzt, nachdem bei einem Teilnehmer im Vereinigten Königreich eine Nebenwirkung gemeldet wurde.
AstraZeneca prüft derzeit, ob diese unerwünschte Reaktion mit der Impfung in Zusammenhang steht. Ist das ein echter Rückschlag? Wir klären die Hintergründe und schauen nach vorn.
Was ist der Oxford-Impfstoff?
Der Impfstoff ChAdOx1 nCoV-19 basiert auf einer abgeschwächten Version eines Adenovirus aus Schimpansen, das Erkältungen verursacht. Genetisch modifiziert kann es sich nicht in menschlichen Zellen vermehren.
Er trainiert das Immunsystem, das charakteristische Spike-Protein des SARS-CoV-2-Virus zu erkennen. So entsteht eine Abwehr, die Infektionen verhindert – ein bewährter Ansatz aus der Vakzinologie.
Warum die Studienpause?
AstraZeneca teilte mit, die Phase-3-Studien seien angehalten, um eine mögliche Verbindung zur gemeldeten Nebenwirkung zu untersuchen. Eine Sprecherin betonte: Solche Pausen sind Standard bei potenziell unerklärlichen Erkrankungen und könnten Zufall sein.
Details zum Patienten blieben zunächst vertraulich. Berichten der New York Times zufolge handelt es sich um eine Transverse Myelitis, eine seltene Entzündung des Rückenmarks, die oft viral bedingt ist.
Was passiert jetzt?
Das Unternehmen hat die Impfungen freiwillig gestoppt, damit ein unabhängiges Sicherheitskomitee die Daten überprüft. Prof. Sir Jeremy Farrar, Direktor des Wellcome Trust und SAGE-Mitglied, erklärte bei BBC Radio 4: "Solche Vorfälle sind üblich, werden aber immer ernsthaft geprüft."
Falls keine Kausalität zum Impfstoff oder Placebo besteht, kann die Studie rasch fortgesetzt werden. Bei 30.000 bis 40.000 Teilnehmern sind zufällige Erkrankungen statistisch erwartet.

Ist das ein Rückschlag?
Vorübergehende Pausen sind in großen Studien Standard, um Sicherheit zu gewährleisten. Früher im Jahr gab es bereits eine unkomplizierte Unterbrechung, wie Gesundheitsminister Matt Hancock bestätigte: "Die Sache wurde schnell gelöst."
Die Dauer der aktuellen Prüfung ist offen, doch solche Prozesse sind routiniert.
Wie läuft die Forschung weiter?
Der Impfstoff wird weltweit an Zehntausenden Freiwilligen in Großbritannien, Südafrika, Brasilien und den USA getestet. Die University of Oxford erwartet bis zu 50.000 Teilnehmer, um Wirksamkeit über Altersgruppen hinweg zu prüfen.
Ergebnisse der Spätphase-Studien stehen noch dieses Jahres bevor.
Was zeigen erste Daten?
In The Lancet (Juli) publizierte Ergebnisse belegen: Der Kandidat löst Antikörper und T-Zellen aus. Antikörper neutralisieren das Virus, T-Zellen bekämpfen infizierte Zellen direkt – entscheidend für langfristigen Schutz, da Antikörper-Antworten bei COVID-19 variieren können.