DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Warum rast der magnetische Nordpol nach Westen? Experte Dr. Ciaran Beggan erklärt

Warum bewegt sich der magnetische Nordpol – und warum so rasant?

Das Erdmagnetfeld entsteht im flüssigen äußeren Erdkern, der etwa auf halber Strecke zum Erdmittelpunkt beginnt. Diese riesige, konvektive Schicht aus flüssigem Metall erzeugt das Feld und zieht es mit ihren Bewegungen mit. Als Geomagnetiker beim British Geological Survey habe ich jahrelang Daten analysiert: Der magnetische Nordpol rast durch einen schnellen Flüssigkeitsstrom – einen Jetstream – in den hohen Breiten rund um Nordkanada, der das Feld dort antreibt.

Schaut man auf die letzten 100 Jahre zurück, bewegte sich der Pol von 1900 bis 1990 mit 5 bis 10 Kilometern pro Jahr. Seit den 1990er Jahren hat er beschleunigt und rast nun mit 50 bis 60 Kilometern jährlich nach Westen.

Wie wirkt sich das auf den Alltag aus?

Apps in Smartphones oder Auto-Navis nutzen Magnetfeldkarten von uns am British Geological Survey und der NOAA. Wir aktualisieren sie alle fünf Jahre. Die letzte von 2015 war 2018 schon veraltet – der Pol bewegte sich schneller als prognostiziert. Für die meisten Menschen spürt man das nicht: Karten unter Schottlands Breitengrad sind präzise. Nur in der Arktis stimmen sie nicht mehr. Smartphone-Kompass? Genau auf 1–2 Grad, Unterschiede sind minimal.

Wer braucht präzise Karten?

Flugzeuge über der Arktis, z. B. auf Routen London–San Francisco. Viele Karten sind magnetisch ausgerichtet; Abweichungen könnten zu Dutzenden Kilometern Versatz führen – GPS korrigiert das. Militärs wie britische und US-Streitkräfte setzen sie in U-Booten und Flugzeugen ein.

Die Geschichte des Magnetpols

Magnetische Koordinaten dienen seit Jahrhunderten der Schifffahrt. Logbücher reichen bis in die 1590er Jahre. Der Pol wanderte seit dem 15. Jahrhundert zickzack durch Kanada. Ab den 1900ern ging’s westwärts Richtung Sibirien, seit 30 Jahren beschleunigt. Seit 2000 messen Satelliten in 400 km Höhe das Feld kontinuierlich – ergänzt durch 200 Observatorien.

Warum nutzten Seeleute den magnetischen Nordpol?

Edmond Halley (des Kometen) kartierte 1699 den Atlantik. Breitengrad via Sonne, Längengrad via Deklination (Abweichung geografisch/magnetisch). Seine Karten alterten in 5–10 Jahren. Er postulierte eine flüssige Erdschicht – 1906 seismisch bestätigt. Pionierarbeit!

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Kaum vorhersagbar. Wie Meteorologen vor 100 Jahren: Wir messen am Erdrand, verstehen den Kernfluss nicht detailliert genug. Hören Sie unser vollständiges Interview mit Dr. Ciaran Beggan im Science Focus Podcast unten. Abonnieren und bewerten Sie ihn!