Als vor einigen Jahren Menschen mit Masken auf der Straße oder im Laden zu sehen waren, hielt man sie vielleicht für exzentrisch. Heute ist das Gegenteil der Fall – wir haben uns daran gewöhnt.
Aber werden wir Masken tragen, wenn die akute COVID-19-Bedrohung nachlässt? Ich glaube nicht. Ohne einen neuen Ausbruch sehe ich sie bald nur noch in der Schublade. Das ist bedauerlich, denn in sechs Monaten erwarten wir eine stärkere Grippewelle (letzten Winter gab es auffällig wenige Fälle). Eine Maske könnte hier einen entscheidenden Unterschied machen.
Leider ist Maskentragen zu einem ideologischen und kulturellen Statement geworden. Ein klarer Unterschied zwischen Ländern, die die Virusausbreitung früh eindämmten – wie China, Südkorea und Taiwan – und anderen war: Dort wurden Bürger aktiv zu Masken im Freien ermutigt, und sie taten es bereitwillig.
Um COVID-19 oder andere Atemwegsviren einzudämmen, reichen einfache Masken. Prof. Trish Greenhalgh vom Nuffield Department of Primary Care und Forscher Jeremy Howard fassten letztes Jahr im British Medical Journal zusammen: „Masken sind einfach, günstig und potenziell hoch wirksam.“
Sie schützen nicht nur den Träger (zunehmend belegt, besonders bei direktem Husten ins Gesicht), sondern reduzieren vor allem die Tröpfchenmenge einer Infizierten dramatisch.
Atemwegsviren infizieren Nase und Rachen und springen beim Niesen oder Husten über. Eine Maske minimiert dieses Risiko enorm. Greenhalgh und Howard: „Beim Husten aus 20 cm Entfernung mit COVID-19 reduziert eine Baumwollmaske die Virusmenge um das 36-Fache.“

Studien zeigen auch Schutz für den Träger. Eine Cambridge-Studie (Januar-Vorabdruck) exponierte Probanden kontrollierten Tröpfchen bei verschiedenen Masken. Selbstgemachte Stoffmasken filterten 62,6 bis 87,1 Prozent der feinen Partikel – effektiver als viele Befragte dachten. Weniger Partikel bedeuten geringeres Infektionsrisiko.
Behalten Sie also die Masken. Beim nächsten Grippewinter könnten Sie Gold wert sein.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 365 des BBC Science Focus Magazine.