Cannabis wird seit Tausenden von Jahren genutzt. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass es bereits um 2600 v. Chr. in China als Medizin diente – und sicherlich auch zur Freizeitnutzung.
In den letzten Jahren erleben Cannabis-Produkte einen beispiellosen Boom. Sie werden in alles hineingemischt: von Hundefutter über Schokolade bis hin zu Shampoo. Doch hinter dem Hype fehlen oft solide Beweise für echte Wirkungen.
Cannabis ist eine faszinierende Pflanze mit über 500 Verbindungen, von denen viele mit unseren körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren interagieren. Diese Rezeptoren regulieren Schlaf, Stress, Schmerzen, Appetit, Gedächtnis und Stimmung – was die vielfältigen Effekte erklärt.
Kein Wunder, dass Menschen Cannabis-Produkte gegen diverse Beschwerden einsetzen. Am prominentesten: chronische Schmerzen und schwere Epilepsie bei Kindern.
2018 sorgte Billy Caldwell für Schlagzeilen. Der Junge litt unter bis zu 300 Anfällen täglich. Seine Mutter konnte kein Cannabisöl über den NHS bekommen, reiste nach Kanada und wurde am Heathrow-Flughafen festgehalten, wo das Öl konfisziert wurde.
Seither hat das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) die Studien geprüft und listet auf seiner Website Erkrankungen auf, bei denen medizinisch verschriebenes Cannabis hilfreich sein kann.

Dazu gehören Chemotherapie-bedingte Übelkeit und Erbrechen, chronische Schmerzen (im Rahmen klinischer Studien), mittelschwere bis schwere Muskelkrämpfe durch Multiple Sklerose sowie schwere Epilepsie bei Kindern, die auf andere Therapien nicht anspricht.
Trotzdem verschreiben Fachärzte in Großbritannien Cannabisöl legal nur selten im NHS-Rahmen.
CBD in Shampoo ist weniger kontrovers, aber auch weniger wirksam. Cannabidiol (CBD), ein Hauptbestandteil, wirkt entzündungshemmend auf Cannabinoid-Rezeptoren. Topisch aufgetragen könnte es Schuppen, Ekzeme oder juckende Kopfhaut lindern – Beweise sind jedoch dünn.
Auf der Website einer führenden Marke heißt es klar: Keine Evidenz, dass CBD-Shampoo Haar wachsen lässt oder Haut-/Haarerkrankungen heilt. Es könne aber gegen Schuppen helfen und Feuchtigkeit im Haar erhalten.
Ich bleibe bei meiner bewährten Marke.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 367 des BBC Science Focus Magazine.