Als Arzt und Ernährungsexperte bin ich ein großer Fan der mediterranen Ernährung. Sie ist reich an fettem Fisch, Nüssen, Gemüse und Hülsenfrüchten wie Linsen und roten Kidneybohnen. Zahlreiche Studien belegen, dass sie das Risiko für Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes senkt. Zudem verbessert der Umstieg von einer typisch westlichen Ernährung auf eine mediterrane Variante die geistige Gesundheit: Angstzustände und Depressionen lassen nach, wie Forschungsergebnisse zeigen.
Ein kleiner Nachteil: Wer ballaststoffreiche Lebensmittel oder fermentierte Produkte wie Sauerkraut isst, erlebt oft größeren Stuhlgang und mehr Blähungen.
Jetzt haben Wissenschaftler des biomedizinischen Forschungszentrums für Leber- und Verdauungskrankheiten in Spanien den genauen Effekt quantifiziert.
In ihrer Studie „Differential effects of Western and Mediterranean-type diets on Darmmikrobiota“ teilten sie 20 männliche Freiwillige zufällig zwei Wochen lang entweder einer typisch westlichen oder einer mediterranen Ernährung zu – gefolgt von einer Pause und dem Wechsel.
Gegen Ende jeder Phase füllten die Teilnehmer tägliche Fragebögen aus, die Blähungen, Aufgeblähtheitsgefühl sowie Stuhlanzahl, -form und -gewicht erfassten.
Kotproben dienten der Analyse des Darmmikrobioms, und das Gasvolumen wurde präzise gemessen: Nach einer standardisierten Mahlzeit mit Bohnenkompott sammelten Ballons am Rektum die Gase.
Die Ergebnisse? Die Umstellung veränderte das Darmmikrobiom beeindruckend: Mehr Butyrat-produzierende Bakterien entstanden. Butyrat, eine kurzkettige Fettsäure, wirkt stark entzündungshemmend und schützt die Darmwand – ein klarer Vorteil.

Die Stuhlmassen („Kolonbiomasse“) stieg um 60 Prozent, das Gasvolumen explodierte. Die Probanden ließen täglich etwa siebenmal mehr Winde – jeweils mit rund 50 Prozent mehr Gas.
Können Sie die Vorteile genießen, ohne soziales Unbehagen? Probieren Sie Seetang: Eine Studie in PLOS One zeigte, dass Rotalgen die Methanproduktion bei Rindern drastisch senken – gut gegen Treibhausgase.
Ob Algen ähnlich beim Menschen wirken, ist offen. Doch Algentee aus getrocknetem Kombu mit heißem Wasser soll den Darm beruhigen, wie Experten berichten.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 369 des BBC Science Focus Magazine.