Hydroxychloroquin, ein etabliertes Malariamedikament, gilt als vielversprechender Kandidat, um das Fortschreiten der seltenen primär progredienten Form der Multiplen Sklerose (MS) zu verlangsamen. In einer klinischen Studie mit 35 Patienten sank die Wahrscheinlichkeit einer signifikanten Verschlechterung über 18 Monate deutlich.
Multiple Sklerose ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die Gehirn und Rückenmark schädigt. Betroffene kämpfen oft mit Sehstörungen, Gleichgewichtsproblemen, Koordinationsstörungen und Mobilitätseinschränkungen. Die Ursache bleibt ungeklärt, eine Heilung existiert nicht. Für die häufigste Form gibt es Therapien, die das Fortschreiten bremsen – bei der primär progredienten Variante jedoch fehlen bisher effektive Optionen.
Etwa 10 % der MS-Patienten leiden an primär progredienter MS, bei der Symptome kontinuierlich zunehmen, ohne Remissionsphasen.
"Bei primär progredienter MS fehlt eine wirksame Therapie, um das Fortschreiten zu stoppen oder umzukehren. Die Behinderung verschlimmert sich stetig", erklärt Dr. Marcus Koch vom Department of Clinical Neurosciences an der University of Calgary, der die Studie gemeinsam mit Dr. Wee Yong leitete.
"Unser Team hat über Jahre Generika getestet. Hydroxychloroquin zeigt ermutigende Ergebnisse. Diese Pilotstudie ist ein erster Erfolg, der weitere Forschung, insbesondere große klinische Trials, anregen soll", ergänzt Koch.
Zwischen November 2016 und Juni 2018 erhielten 35 Patienten täglich zwei Dosen Hydroxychloroquin. Nach 6 und 18 Monaten maßen die Forscher die Gehzeit über 7,6 m (25 Fuß). Statt der erwarteten 40 % verschlechterten sich nur acht Patienten signifikant.
Hydroxychloroquin erlangte 2020 durch die COVID-19-Debatte Bekanntheit, als US-Präsident Donald Trump es trotz Risikowarnungen einnahm. Eine aktuelle, noch nicht peer-reviewed Studie widerlegt jedoch eine Wirksamkeit gegen COVID-19.