Die frühesten Formen der Sprache entstanden mit dem anatomisch modernen Homo sapiens vor etwa 200.000 Jahren. Doch Wissenschaftler datieren die Entwicklung der Sprachfähigkeit auf 30 bis 40 Millionen Jahre früher.
Forscher haben herausgefunden, dass die Fähigkeit, Beziehungen zwischen Wörtern in einem Satz zu verstehen – eine zentrale Grundlage der Sprachverarbeitung –, vom letzten gemeinsamen Vorfahren von Affen, Menschenaffen und Menschen stammt.
"Dies deutet darauf hin, dass dieses entscheidende Merkmal der Sprache bereits bei unseren primatenartigen Urahnen vorhanden war und mindestens 30 bis 40 Millionen Jahre vor der eigentlichen Sprachentwicklung existierte", erklärt Professor Simon Townsend von der University of Warwick, Leiter der Studie, die in Science Advances veröffentlicht wurde.
Townsend und sein Team untersuchten die Sprachverarbeitung bei Schimpansen, Menschen und Weißen Büschelaffen, einem brasilianischen Affen. Sie analysierten, wie Primaten Beziehungen zwischen Tönen in einer Sequenz verarbeiten – vergleichbar mit Wörtern in Sätzen.
Dabei testeten sie angrenzende Abhängigkeiten (nebeneinanderstehende Wörter) und nicht-angrenzende Abhängigkeiten (entfernte Wörter).
Die Verarbeitung solcher Wortbeziehungen gilt als eine der wichtigsten kognitiven Fähigkeiten hinter der menschlichen Sprache.

Ein anschauliches Beispiel: "Der Hund, der die Katze gebissen hat, ist weggelaufen." Hier wird klar, dass der Hund – nicht die Katze – weggelaufen ist, dank der verstandenen Beziehung zwischen erstem und letztem Wort.
"Die meisten Tiere erzeugen in ihrer natürlichen Kommunikation keine nicht-angrenzenden Abhängigkeiten. Wir wollten prüfen, ob sie sie dennoch verstehen können", so Dr. Stuart Watson von der Universität Zürich.
Für die Studie entwickelten die Forscher künstliche Grammatiken mit Sequenzen bedeutungsloser Laute statt Wörtern, um die Verarbeitung von Lautbeziehungen zu testen.
Alle drei Arten – Schimpansen, Weiße Büschelaffen und Menschen – verarbeiteten benachbarte und nicht-benachbarte Klangelemente mühelos. Sie lernten, dass bestimmte Laute immer aufeinanderfolgen, auch wenn getrennt.
Primaten verarbeiten Lautbeziehungen somit wie Menschen, was diese Fähigkeit Millionen Jahre vor der Sprachentwicklung verortet.
"Diese beeindruckenden Ähnlichkeiten zeigen, dass die Verarbeitung nicht-angrenzender Abhängigkeiten – ein zentraler kognitiver Baustein der Sprache – ein uraltes Erbe ist, das sich rund 40 Millionen Jahre vor der Sprache selbst herausbildete", fassen die Autoren zusammen.