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Neurowissenschaftler erklärt: So beeinflussen Ihre Gene die psychische Gesundheit

Bei der Frage, was unsere psychische Gesundheit schützt oder gefährdet, denken viele nicht zuerst an Gene. Schließlich entstehen psychische Störungen im Geist und Gehirn, während Gene winzige Bausteine unserer DNA sind. Der Zusammenhang scheint auf den ersten Blick fern.

Das ist jedoch ein Trugschluss. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass viele psychische Erkrankungen eine starke genetische Komponente haben – mit weitreichenden Implikationen für Diagnose und Therapie.

Logisch betrachtet ergibt es Sinn: Unser Bewusstsein, unsere Gedanken und Emotionen entstehen durch komplexe Signale in Milliarden von Neuronen. Diese Gehirnzellen funktionieren nur richtig, wenn ihre Moleküle – vor allem Proteine – fehlerfrei sind. Und Proteine werden von unseren Genen codiert.

Ein Defekt in einem Gen führt zu falsch geformten Proteinen, die nicht optimal interagieren können. Betroffene Zellen, insbesondere Neuronen, arbeiten dann gestört. Das kann die Prozesse beeinträchtigen, die unseren Geist formen – oft auf schädliche Weise.

Gene sind also klar involviert, aber keineswegs der einzige Faktor. Es gibt kein einzelnes „Depressionsgen“ oder „Angstmutation“, das eine Störung zwangsläufig auslöst. Das Gehirn ist zu komplex, mit unzähligen Systemen, Redundanz und Anpassungsfähigkeit – ähnlich wie ein Stromnetz nicht durch einen defekten Schalter zusammenbricht.

Gene erhöhen jedoch das Risiko für psychische Probleme, indem sie die Resilienz des Gehirns mindern. Sie machen anfälliger für Traumata oder Belastungen. Deshalb erscheinen viele Störungen familiär und teilen genetische Marker.

Zusammenfassend: Gene spielen eine Schlüsselrolle bei der psychischen Gesundheit – neben vielen anderen Faktoren.

  • Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 370 des BBC Science Focus Magazine.