Am 9. Dezember 2019 brach in der neuseeländischen Bay of Plenty der Vulkan White Island – bei den einheimischen Māori als Whakaari bekannt – explosionsartig aus. Von den 47 Menschen auf der Insel starben 18, viele weitere erlitten schwere Verletzungen. Vulkanologe Bill McGuire, ein international anerkannter Experte, erklärt, was genau geschah.
War der Ausbruch von White Island wirklich überraschend?
Nein, für Vulkanologen kam der Ausbruch nicht unerwartet. Ähnlich wie Stromboli im Mittelmeer, der Ätna auf Sizilien oder Kilauea auf Hawaii zeigt White Island nahezu kontinuierliche Aktivität – ein Grund für seine Beliebtheit bei Touristen.
Der Vulkan verfügt über einen offenen Schlot, der regelmäßig dampft oder Gasstrahlen abgibt. Periodisch eskaliert die Aktivität zu kleineren oder mittleren Eruptionen mit Asche, Blöcken und Vulkanbomben. In den letzten 20 Jahren hatte White Island bereits fünf Ausbrüche.
Was genau passierte? Gibt es besondere Merkmale am Vulkan?
White Island besteht aus zwei überlappenden Vulkanen, die 50 km nördlich der Nordinsel aus der Bay of Plenty ragen.
Schon 1914 verursachte ein massiver Einsturz der Kraterwand die Zerstörung einer Schwefelmine und tötete die Arbeiter dort. Der jüngste Ausbruch entstand durch aufsteigendes Magma, das mit Grundwasser in Berührung kam. Dies führte zu einer heftigen, aber kurzlebigen (nur 12 Minuten) phreatomagmatischen Explosion – einer explosiven Mischung aus Wasser und Magma. Eine Aschewolke schoss bis zu 4 km hoch in die Atmosphäre, während bodennahe Wolken aus Dampf, heißer Asche und Gestein das Gelände überfluteten.
Gab es Warnsignale?
Ja, es gab deutliche Vorzeichen. Seit mindestens Oktober zeigten steigende Schwefeldioxid-Emissionen und verstärkte Bodenbewegungen zunehmende Unruhe. Am 15. November wurde die Alarmstufe von 1 auf 2 angehoben. Anfang Dezember schleuderte der Vulkan Schlamm und Trümmer bis zu 30 m hoch.
Warum sind Vulkanausbrüche schwer vorhersehbar?
Vulkanausbrüche sind bei guter Überwachung durchaus vorhersagbar. Aufsteigendes Magma bricht Gestein auf und erzeugt Schwärme kleiner Erdbeben, die Seismometer erfassen. Zudem schwillt der Boden an, messbar mit GPS-Technik. Oft lassen sich so Eruptionsbeginne präzise abschätzen. Kleinere phreatomagmatische Explosionen wie auf White Island bleiben jedoch schwierig exakt zu timen.

Die Expertise von Vulkanologen wie Bill McGuire basiert auf jahrzehntelanger Forschung und Feldarbeit weltweit.
Ist ein Vulkanbesuch als Tourist sicher?
Kein Vulkan ist risikofrei – weder für Wissenschaftler noch für Besucher. Touristen suchen oft aktive Anzeichen, doch genau diese Vulkane wie White Island bergen ein höheres Ausbruchsrisiko mit potenziell tödlichen Folgen.