Der Tapanuli-Orang-Utan – weltweit die am stärksten bedrohte Menschenaffenart – steht stärker vor dem Aussterben als bisher angenommen. Das zeigt eine Studie der University of Kent und der Liverpool John Moores University.
Diese seltene Primatenart wurde erst 2017 neu identifiziert. Sie umfasst rund 800 Individuen in den Wäldern Nord-Sumatras in Indonesien.
In einer Studie der Zeitschrift Plos One kommen die Forscher zu dem Schluss, dass der aktuelle Lebensraum in Bergregionen nicht ideal für die Art ist, die in isolierten Gruppen lebt.
„Einige Wissenschaftler haben behauptet, dass der Tapanuli-Orang-Utan speziell an große Höhen angepasst ist, da er derzeit in durchschnittlich 834 Metern über dem Meeresspiegel vorkommt“, erklärt Prof. Erik Meijaard vom Durrell Institute of Conservation and Ökologie an der University of Kent.
„Unsere Studie deutet jedoch darauf hin, dass die Tapanuli-Orang-Utans früher hauptsächlich in Tieflandwäldern lebten. Eine Kombination aus unkontrollierter Jagd und Waldzerstückelung führte dort zum lokalen Aussterben.“
Der Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis) bewohnt aktuell etwa 1.000 Quadratkilometer Hochlandwald.
Das entspricht laut Forschern nur 2,5 Prozent der 40.796 Quadratkilometer, die die Art vor 130 Jahren besiedelte.
Das Team rekonstruierte das historische Verbreitungsgebiet anhand von Archivaufzeichnungen aus Zeitschriften und Zeitungen.
Die Dokumente offenbaren, dass große Waldflächen in Nord-Sumatra bereits in den 1930er Jahren für kleinbäuerliche Landwirtschaft gerodet wurden – lange vor dem industriellen Plantagenboom der 1970er Jahre.
Forscher vermuten, dass Entwaldung und nachhaltige Jagdpraktiken Populationen im Süden, Osten und Westen der heutigen Verbreitung ausgelöscht haben.
„Die Affen stecken in größeren Schwierigkeiten, als wir dachten. Unsere Analyse zeigt zwei Schlüsselpunkte“, betont Prof. Serge Wich von der Liverpool John Moores University.
„Erstens hat der Tapanuli-Orang-Utan nur noch einen Bruchteil seines früheren Gebiets inne, wo er durch Jagd und Habitatfragmentierung verschwand. Beide Bedrohungen wirken weiterhin.“
„Zweitens ist die Art nicht hochlandsspezifisch angepasst, sondern benötigt vielfältige Habitate wie Torfsümpfe und Tiefland-Trockenwälder für optimales Überleben. Die Ausrottung in Nord-Sumatras Torfsumpfgebieten ist alarmierend.“