Experten der Johns Hopkins University haben entdeckt: Kinder ab 14 Monaten besitzen bereits ein intuitives Gefühl für das Zählen – Jahre bevor sie selbst laut zählen können.
Forscher zeigten, dass Kleinkinder, die das Zählen von Objekten hören, die Zahlenwörter mit den passenden Mengen verknüpfen. Die volle Bedeutung dieser Wörter erlangen sie erst mit etwa vier Jahren.
Die Ergebnisse, publiziert in der renommierten Fachzeitschrift Developmental Science, überraschten das Team. Sie belegen, dass Kinder das Prinzip des Zählens „Jahre früher als bisher angenommen“ erkennen.
Leitende Autorin Prof. Lisa Feigenson, Kognitionswissenschaftlerin an der Johns Hopkins University in Maryland, erklärt: „Studien wie unsere offenbaren, dass Babys ein hochentwickeltes Weltverständnis haben. Sie versuchen schon früh, die Worte der Erwachsenen zu entschlüsseln – inklusive Zählen und Zahlen.“
Bisherige Forschungen datierten den Einstieg ins Zählen auf etwa 2,5 Jahre: Kinder rufen dann die Zahlenreihe auf, verstehen aber noch nicht deren Sinn. Mit vier Jahren greift das Kardinalprinzip – die Zuordnung von Zahlenwörtern zu Mengen.
In der Studie mit 80 Kleinkindern (13–20 Monate) testeten die Wissenschaftler fünf Szenarien: Spielzeug (Hunde oder Autos) wurde in undurchsichtige Kisten gelegt.
Manchmal zählten die Forscher laut jedes Teil, manchmal legten sie sie nur einzeln hinein. Ohne Zählen verloren die Kinder schnell das Interesse. Bei lautem Zählen hingegen merkten sie sich die Menge besser und suchten intensiver.
Jenny Wang, ehemalige Doktorandin und Mitautorin an der Johns Hopkins, betont: „Das war wirklich überraschend. Bisher galt es als extrem schwierig, dass Kinder so jung die Bedeutung von Zählwörtern erfassen.“
Sie ergänzt: „Unsere Ergebnisse sind die ersten, die zeigen: Sehr junge Säuglinge spüren, dass Zählen mit der ungefähren Quantität in der Welt verknüpft ist.“