Die Gezeiten- und Wellenenergie birgt das enorme Potenzial, bis zu 20 Prozent des britischen Strombedarfs zu decken. Dennoch decken wir derzeit weniger als 3 Prozent unseres Energiebedarfs über diese Quellen ab. Während Wind- und Solarenergie in den letzten Jahren rasant gewachsen sind, kommt die Gezeitenkraft nicht voran.
Gezeitenkraft nutzt Unterwasserturbinen, um die immense Energie der auf- und abebbenden Gezeiten zu gewinnen. Traditionelle Gezeitenfarmen einsetzen Dämme oder künstliche Becken, um den Wasserfluss zu bündeln. Moderne Turbinen lassen sich direkt auf dem Meeresboden montieren.
Im Unterschied zu Solar- oder Windkraft, die wetterabhängig sind, liefert Gezeitenenergie täglich zuverlässig Strom. Die Anziehungskraft des Mondes erzeugt weltweit zweimal täglich starke Gezeiten.
Trotz ihrer klimafreundlichen Natur können Gezeitenanlagen lokale Ökosysteme beeinträchtigen. Turbinen verletzen Meereslebewesen, Dämme behindern Wanderfische. Elektromagnetische Felder und Unterwassergeräusche stören vor allem echoortende Tiere wie Delphine.
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Die hohen Kosten neuer Gezeitenfarmen machen sie politisch heikel. Von fünf Projekten in der Severnmündung, die 2008 von der britischen Regierung geprüft wurden, kostete das günstigste 2,3 Mrd. £ – keines wurde umgesetzt.
Warum ist Gezeitenenergie so teuer? Manche Ausgaben sind unvermeidbar: Anlagen müssen den gewaltigen Kräften der Gezeiten trotzen und verbrauchen viel Material wie Beton.
Technische Kosten könnten jedoch sinken. Gezeitenkraft ist noch jung. Staatliche Förderung, wie sie Offshore-Wind vorantrieb, könnte Preise drücken und Innovationen beschleunigen.