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Warum stranden immer mehr Wale und Delfine an den Küsten Großbritanniens? Experten erklären

Warum stranden Wale und Delfine?

Laut einem Bericht des UK Cetacean Strandings Investigation Programme (CSIP) aus September strandeten zwischen 2011 und 2017 fast 5.000 Wale, Delfine und Schweinswale an den Küsten Großbritanniens – eine Steigerung um 15 Prozent im Vergleich zur Vorperiode.

Da viele Wale viel Zeit in der Tiefsee verbringen, ist eine genaue Populationszählung schwierig. Wir können daher nicht abschließend sagen, ob diese Strandungszahlen eine echte Bedrohung darstellen. Für kleine Gruppen wie die achtköpfige Orcagruppe an der schottischen Westküste kann jedoch der Verlust eines oder zweier Tiere dramatische Folgen haben.

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Obwohl 132 Tiere gerettet werden konnten, sterben viele an Folgen menschlicher Aktivitäten, so der leitende Forscher Rob Deaville. "Beifang und Verstrickung sind die häufigsten direkten anthropogenen Todesursachen", betont er. Verletzungen durch Angelschnüre und Netze sind leicht erkennbar, ebenso Kollisionen mit Schiffen.

Strandungen durch Krankheiten entstehen oft durch Parasiten, Mangelernährung oder Verschmutzung. "Chemische Schadstoffe können das Immunsystem schwächen", erklärt Deaville.

Polychlorierte Biphenyle (PCBs), früher als Kühlmittel verwendet und seit den 1970er-Jahren wegen ihrer Krebsgefahr verboten, reichern sich in der Nahrungskette an und halten sich in Ozeanen hochkonzentriert.

Warum stranden immer mehr Wale und Delfine an den Küsten Großbritanniens? Experten erklären

Mehrere Wale hatten Plastik oder Meeresmüll im Magen, doch nur eines starb direkt daran.

Cetaceen teilen sich in Bartenwale (z. B. Blau- und Buckelwale) und Zahnwale (Delfine, Orcas, Schweinswale, Pottwale). "Zahnwale verlassen sich primär auf Echoortung und sind akustische Tiere", sagt Deaville.

Sie sind daher anfällig für Lärm. Chronischer Schiffs- oder Windparklärm vertreibt sie aus Habitaten, akuter Lärm durch Explosionen, Seismik oder Sonar kann zu Taubheit oder Innenohrblutungen führen.

Marinesonar ist besonders problematisch: "Weltweit gibt es Berichte über Massenstrandungen im Zusammenhang mit Sonar", warnt Deaville.

Warum Massenstrandungen?

Als soziale Tiere begleiten Wale oft kranke Artgenossen und stranden mit ihnen. Massenstrandungen umfassen daher häufig gesunde Exemplare.

Wo stranden sie am häufigsten?

Eine neuseeländische Studie zeigt: Walherden stranden bevorzugt an langen Sandstränden mit sanftem Gefälle und Kap. "Strandorte sind nicht zufällig", betonen die Autoren.

Gründe sind unklar, frühere Theorien zu Echoortungsstörungen durch Sandhänge halten neuen Studien nicht stand.

Die Nordsee fängt nördliche Entenwale und Sowerby-Schnabelwale: Sie wandern aus dem Nordatlantik südwestwärts, verirren sich aber östlich und enden an Ostküstenmündungen wie Firth of Forth oder Themse. Diese Woche starb ein Buckelwal nach Schiffsanprall in der Themse.

Warum mehr Strandungen im Vereinigten Königreich?

Schwer zu belegen. Beifang und Verschmutzung könnten zunehmen, doch Deaville mahnt: "Mehr Strandungen können auch mehr Tiere bedeuten. Besorgniserregender sind Arten, die gar nicht stranden."

Die Zahlen könnten stabil sein, nur die Meldungen zunehmen – etwa durch Kampagnen in Schottland.

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Was tun bei gestrandetem Wal?

Bei lebendem Tier: RSPCA/SSPCA rufen. Feucht halten (nicht Blasloch), Abstand wahren, Schwanz meiden.

Experten versuchen Reflotten kleinerer Tiere, doch innere Verletzungen können verzögert tödlich wirken.

Bei totem Tier: CSIP-Hotline 0800 6520333 anrufen.