Neue Forschungsergebnisse offenbaren: Die Gesangsmuster von Pinguinen unterliegen denselben Prinzipien wie die menschliche Linguistik.
Die Vögel befolgen zwei zentrale Gesetze – das Zipfsche Kürzelgesetz, wonach häufig genutzte Wörter kürzer sind, und das Menzerath-Altmann-Gesetz, das längere Wörter aus zusätzlichen, aber kürzeren Silben erklärt. Wissenschaftler sehen hierin das erste Beispiel solcher Regeln außerhalb von Primaten, was auf ökologischen Druck hinweist, der Kürze und Effizienz in tierischen Lauten begünstigt.
Informationskomprimierung ist ein Kernprinzip menschlicher Sprache: Häufige Elemente werden gekürzt, um schnelle Informationsaustausch zu ermöglichen.
Eine Studie in der renommierten Fachzeitschrift Biology Letters belegt, dass die Schaulieder des gefährdeten Afrikanischen Pinguins diesen beiden Sprachgesetzen entsprechen – Zipfs Gesetz der Kürze und dem Menzerath-Altmann-Gesetz.
Leitend war das Team der Equipe de Neuro-Ethologie Sensorielle an der Universität Lyon/Saint-Etienne. Dr. Livio Favaro von der Universität Turin und Kollegen betonen: Dies ist der erste Nachweis, dass eine Nicht-Primatenart linguistische Regeln einhält.
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Die Forscher zeichneten 2016 und 2017 insgesamt 590 ekstatische Schaulieder von 28 adulten Afrikanischen Pinguinen aus drei Kolonien in italienischen Zoos auf und analysierten sie detailliert. Ergebnis: Die häufigsten Rufe waren am kürzesten, längere bestanden aus kürzeren Silben.
Die Studie fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse belegen, dass die ekstatischen Zurschaustellungsgesänge des Afrikanischen Pinguins dem Zipfschen Kürzelgesetz und dem Menzerath-Altmann-Gesetz folgen. Dies ist der erste zwingende Beweis für Übereinstimmungen mit linguistischen Gesetzen in Stimmsequenzen einer Nicht-Primatenart.“
„Wie erwartet, korrelierte die Silbendauer umgekehrt mit ihrer Häufigkeit – längere Silben kamen seltener vor.“
Die Autoren ergänzen: „Die Zusammenhänge zwischen Elementdauer, Nutzungshäufigkeit und Liedgröße resultieren primär aus Produktionsbeschränkungen der Stimme, die mit Selektionsdrücken für Partnerwahl und Territorialverteidigung in dichten Kolonien interagieren.“
„Entscheidend: Unsere Daten deuten erstmals darauf hin, dass Informationskomprimierung bei einer Nicht-Primatenart mit kleinem, festem Stimmsystem mit anderen Selektionsfaktoren koexistieren kann.“