Eine Theorie von Allem würde fundamentale Durchbrüche ermöglichen. Derzeit wissen wir, dass das Universum von vier fundamentalen Kräften zusammengehalten wird.
Dank Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie beschreiben wir Gravitation als Krümmung der Raumzeit. Für die anderen drei Kräfte – elektromagnetische, schwache und starke Kernkraft – haben wir eine bewährte Quantentheorie, die sie als Austausch von krafttragenden Teilchen erklärt.
Viele Physiker halten das Quantenbild für grundlegender und streben daher zunächst eine Quantengravitationstheorie an, um alle Kräfte zu vereinen.
Nicht alle teilen diese Sicht. Die drei Quantenkräfte beruhen jeweils auf zugrunde liegenden Symmetrien und sind im Standardmodell als Patchwork vereint.
Das Ziel ist es, alle Kräfte – inklusive Gravitation – aus einem einzigen Symmetrieprinzip abzuleiten. Doch dieses Streben nach einer 'schönen' Theorie ist ein menschliches Ideal, das die Natur nicht zwingend teilt.
Selbst wenn eine Theorie von Allem existiert, könnte sie ein chaotischer Flickenteppich sein. Oder sie wäre so kompakt und abstrakt – auf eine Briefmarke passend –, dass sie wenig Praktisches liefert. Sie würde etwa nicht erklären, was Bewusstsein ausmacht.

Einsteins Theorie ist elegant, doch ihre Konsequenzen sind mühsam abzuleiten. Ähnlich würde eine Theorie von Allem Generationen von Forschern erfordern, um nutzbare Einsichten zu gewinnen.
Bleibt die Frage: Warum gerade diese Gleichungen und keine anderen?
Der Physiker Stephen Wolfram umgeht dies, indem er das Universum als Ergebnis aller möglichen Computerprogramme sieht.
Dies erinnert an Kurt Gödels Unvollständigkeitssatz von 1930. Er zeigte, dass nicht alle wahren mathematischen Sätze aus Axiomen ableitbar sind – wie Ballons, die über den Axiomen schweben, aber nicht erreichbar.
Da Mathematik die Sprache der Physik ist, könnte auch die Physik prinzipiell unvollständig sein. Eine Theorie von Allem bliebe dann eine Illusion.
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