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Geburtsart prägt Darmmikrobiom von Neugeborenen: Kaiserschnitt vs. Vaginalgeburt – Ergebnisse einer großen Studie

Vaginal geborene Babys weisen ein anderes Darmmikrobiom auf als per Kaiserschnitt geborene, wie eine umfassende Studie des Wellcome Sanger Institute, UCL und der University of Birmingham zeigt.

Forscher stellten fest, dass vaginal geborene Säuglinge hauptsächlich mütterliche Darmbakterien übernehmen, während Kaiserschnitt-Babys vermehrt Bakterien aus der Krankenhausumgebung beherbergen.

Die genaue Bedeutung dieser Unterschiede für die kindliche Gesundheit bleibt unklar. In der renommierten Nature-Studie betonen die Experten, dass Langzeitfolgen noch erforscht werden müssen.

Dr. Nigel Field, Direktor des Zentrums für Molekulare Epidemiologie und translationale Forschung am UCL Institute for Global Health, erklärt: „Babys sind im Mutterleib keimfrei. Die Geburt konfrontiert das Immunsystem erstmals massiv mit Bakterien – ein möglicher Schlüsselmoment für die Immunentwicklung.“

„Kaiserschnitt-Babys bergen ein leicht erhöhtes Risiko für Asthma, entzündliche Darmerkrankungen und Allergien, wie Studien nahelegen.“

Er ergänzt: „Wir fanden klare Unterschiede, doch alle untersuchten Babys waren zum Zeitpunkt gesund. Langfristige Effekte sind unbekannt.“

Die bisher größte Untersuchung neonataler Mikrobiome widerlegt zudem, dass vaginal geborene Babys primär Vaginalbakterien erhalten – stattdessen stammen sie aus dem mütterlichen Darm. Dies stellt vaginale Tupfer bei Kaiserschnitt-Babys infrage.

1.679 Proben von 596 Babys und 175 Müttern, gesammelt in britischen Kliniken (Alter: 4, 7 oder 21 Tage, teilweise bis 1 Jahr), wurden mittels DNA-Sequenzierung analysiert. Vaginal geborene Babys hatten mehr gesundheitsfördernde mütterliche Bakterien.

Die Unterschiede gleichen sich bis zum ersten Lebensjahr weitgehend aus, doch große Folgestudien sind nötig, um gesundheitliche Auswirkungen zu klären.

Das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists rät Frauen nicht von Kaiserschnitten abzuschrecken.

Dr. Trevor Lawley, leitender Autor vom Wellcome Sanger Institute: „Die Geburtsart beeinflusst maßgeblich das Neugeborenen-Mikrobiom. Tiefere Einblicke könnten bakterielle Therapien ermöglichen.“

Professor Peter Brocklehurst, Hauptprüfer von der University of Birmingham: „Die ersten Wochen sind entscheidend für die Immunentwicklung. Wir brauchen Langzeitdaten, um Risiken zu bewerten und Therapien zu entwickeln.“