- Die Bakterienpopulationen im menschlichen Darmmikrobiom weisen weltweit eine enorme Vielfalt auf.
- Forscher gehen davon aus, dass die Anpassungsfähigkeit des Mikrobioms unseren frühen Vorfahren half, zu überleben und sich global zu verbreiten – indem es ihnen ermöglichte, neue Nahrungsmittel auf ihren Wanderungen zu verdauen.
- Unsere Ahnen nutzten diese Mikroben möglicherweise sogar gezielt zum Fermentieren von Lebensmitteln.
Unsere Füße mögen zum Laufen geschaffen sein, doch es waren unsere Darmbakterien, die uns ermöglichten, uns weltweit zu verbreiten – so die Erkenntnis einer neuen Studie. Ein Team der North Carolina State University in den USA legt nahe, dass das Mikrobiom der entscheidende Faktor für unsere Anpassung an neue Umgebungen und unser Überleben war.
Die in der Studie vorgestellten Hypothesen bedürfen noch der Überprüfung durch Paläoanthropologen, Ökologen und Mediziner. Doch Dr. Rob Dunn, der leitende Biologe des Teams, hofft auf einen Paradigmenwechsel in der Forschung.
„Wir hoffen, dass diese Ergebnisse die Forschungsfragen verändern und andere Wissenschaftler die Auswirkungen von Veränderungen im menschlichen Mikrobiom untersuchen“, erklärt Dr. Dunn. „Im nächsten Jahrzehnt sollten wir uns stärker auf die Mikroben unserer Vergangenheit konzentrieren – und weniger auf scharfe Steine.“
Aus Daten früherer Studien zu Darmbakterien bei Menschen und Primaten ergab sich: Die Funktion und Zusammensetzung des Mikrobioms variieren stark je nach Standort, Ernährung und Lebensstil.
Das Team vermutet, dass die Flexibilität der Darmbakterien es unseren Vorfahren erlaubte, neue Nahrungsmittel zu entgiften und zu verdauen, sobald sie fremde Regionen erreichten.
Noch weiter gehen die Forscher: Unsere Ahnen lernten, Bakterien von Körper und Umwelt einzusetzen, um Fermentation zu initiieren. Ähnliche Techniken existieren heute noch – etwa Speichelbakterien für alkoholische Getränke in Lateinamerika oder Hautbakterien bei Weichkäse und Sauerteig.
Durch Fermentation von Fleisch, Knollen und Wurzeln bereicherten sie diese mit Vitaminen und konservierten sie – eine zuverlässige Nahrungsquelle vor Ort.
„Wir haben unsere Körper-Mikroben in unsere Lebensmittel ausgelagert“, betont Dr. Dunn. „Das könnte das wichtigste Werkzeug sein, das wir je erfunden haben. Doch es ist schwer nachweisbar: Steinartefakte überdauern, fermentierter Fisch oder Bier in Erdgruben nicht.“
Tim Spector, Professor für genetische Epidemiologie am King’s College London und Autor von The Diet Myth, teilt diese Sicht: „Die Hypothese, dass Mikroben unseren Vorfahren bei der Anpassung halfen, ist überzeugend, wenn auch schwer beweisbar. Unser Darmmikrobiom ist der variabelste Teil unseres Körpers und reagiert rasch auf neue Nahrung und Umwelten.“
„Wir teilen nur etwa 25 Prozent unserer Mikroben, im Gegensatz zu über 99 Prozent unserer Gene. Es liegt auf der Hand, dass wir uns bei raschen Anpassungen auf sie verließen.“