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Herzinfarktpatienten als Kollateralschäden der COVID-19-Pandemie: Einlieferungen um 50 % gesunken

Neue Forschungsergebnisse der European Society of Cardiology (ESC) belegen: Während des Ausbruchs des Coronavirus suchten mehr als 50 % weniger Herzinfarktpatienten dringende Behandlung in Krankenhäusern.

Bei den schwersten Formen, den ST-Hebungs-Myokardinfarkten (STEMI), blockiert eine Hauptarterie zum Herzen. Eine zeitnahe Intervention stellt den Blutfluss wieder her, rettet Leben und verhindert bleibende Schäden. Verzögerungen führen hingegen zu irreversiblen Herzmuskelschäden, erhöhtem Risiko für Herzinsuffizienz und Tod.

In einer globalen Umfrage der ESC berichteten die meisten behandelnden Ärzte und Pflegekräfte von einem Rückgang der Einlieferungen mit schweren Herzinfarkten im Vergleich zur Zeit vor der COVID-19-Krise.

Im Schnitt sank die Zahl um 50 %, wie die im European Heart Journal – Quality of Care and Clinical Outcomes publizierten Ergebnisse zeigen.

Zudem trafen durchschnittlich 48 % der Patienten verspätet ein – außhalb des optimalen Zeitfensters für eine effektive Notfallbehandlung.

ESC-Präsidentin Professor Barbara Casadei betont: „Dies ist der stärkste Beweis für die Kollateralschäden der Pandemie. Die Angst vor einer Coronavirus-Infektion hält selbst Betroffene mitten in einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt davon ab, lebensrettende Hilfe im Krankenhaus zu suchen.“

„Es mangelte an ausreichender öffentlicher Beruhigung, dass saubere Bereiche für Nicht-COVID-Patienten eingerichtet wurden. Doch das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, übersteigt bei Weitem das einer COVID-19-Infektion. Herztode sind weitgehend vermeidbar, wenn Patienten rechtzeitig kommen. Wir müssen diesen unnötigen Verlust von Leben stoppen und weiterhin die retten, die wir retten können.“

Die ESC-Umfrage befragte Mitte April 3.101 Gesundheitsfachkräfte in 141 Ländern.

Eine separate EAPCI-Umfrage unter interventionellen Kardiologen, die Stents einsetzen, ergab eine 28-prozentige Zunahme lebensbedrohlicher Komplikationen bei Herzinfarktpatienten während der Pandemie. Über 600 Experten aus 84 Ländern wurden in den ersten Aprilwochen befragt.

Der designierte EAPCI-Präsident Professor Dariusz Dudek warnt: „Verzögerungen verschlechtern den Zustand der Patienten massiv. Sie erreichen das Krankenhaus oft zu spät für unsere lebensrettenden Maßnahmen.“

„Bei Herzinfarktsymptomen: Zögern Sie nicht, rufen Sie den Notruf! Jede Minute zählt.“

Professor Casadei ergänzt: „Die Angst vor Krankenhausinfektionen muss bekämpft werden. Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall sollen wissen: Das Infektionsrisiko ist minimiert.“