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COVID-19: Warum sind BAME-Patienten überproportional betroffen? – Fakten und Expertenanalyse

Die COVID-19-Pandemie wirkt sich weltweit aus, trifft jedoch bestimmte Gruppen unverhältnismäßig hart. Als Experten für öffentliche Gesundheit basiert diese Analyse auf verlässlichen Datenquellen wie dem Office for National Statistics (ONS) und Public Health England.

Im Vereinigten Königreich sind bisher mehr als 40.000 Menschen an COVID-19 gestorben, wobei Personen aus schwarzen, asiatischen und ethnischen Minderheiten (BAME)-Gemeinschaften stark überrepräsentiert sind.

Ein ONS-Bericht vom 19. Juni zeigt: Schwarze Männer sterben mehr als dreimal häufiger an COVID-19 als weiße Männer, schwarze Frauen fast 2,5-mal so oft wie weiße Frauen. Ähnlich erhöht ist das Risiko bei Menschen bangladeschischer, pakistanischer oder indischer Herkunft.

Der Public-Health-England-Bericht vom 2. Juni bestätigt: BAME-Personen werden mit höherer Wahrscheinlichkeit infiziert – bei schwarzen Gruppen etwa zwei- bis dreimal häufiger diagnostiziert als bei weißen.

Ähnliche Disparitäten zeigen sich in den USA, besonders bei Afroamerikanern. „Die Pandemie hat die Vulnerabilität bestimmter Communities durch Lebensbedingungen und gesellschaftliche Strukturen offengelegt“, erklärt Dr. Clyde Yancy, Professor für Kardiologie und medizinische Sozialwissenschaften an der Northwestern University.

Mehrere Faktoren spielen zusammen. BAME-Gruppen leben häufiger in städtischen, benachteiligten Gebieten mit höherer Infektionsdichte und eingeschränktem Zugang zur Gesundheitsversorgung.

COVID-19: Warum sind BAME-Patienten überproportional betroffen? – Fakten und Expertenanalyse

Sie wohnen oft in Mehrgenerationen- oder Mehrfamilienhaushalten, was die Virusausbreitung begünstigt.

Selbst nach Korrektur für Region, Dichte und soziodemografische Faktoren bleibt das Risiko erhöht: Schwarze Männer sterben doppelt so häufig, das gilt auch für schwarze Frauen und Männer bangladeschischer, pakistanischer oder indischer Herkunft (ONS).

Vorerkrankungen wie Diabetes, Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen die Letalität – und diese sind in BAME-Gruppen häufiger: Schwarze und Südasiater haben höhere Diabetesraten, ältere pakistanische Männer leiden vermehrt unter Herzkrankheiten.

Berufliche Exposition ist entscheidend. Schlüsselberufe wie Pflegekräfte, Ärzte, Sicherheitskräfte oder Busfahrer bergen hohes Risiko – und BAME-Gruppen sind hier überrepräsentiert.

Ein IFS-Bericht unter Leitung von Prof. Lucinda Platt (London School of Economics) zeigt: Schwarzafrikaner im erwerbsfähigen Alter sind zu 50 % wahrscheinlicher Schlüsselarbeiter als weiße Briten. Schwarzafrikanische Männer arbeiten 310 % häufiger im Gesundheitswesen, Inder machen 15 % der Ärzte aus (bei 3 % Bevölkerungsanteil).

„Die Konzentration in Schlüsselberufen trägt zu den Disparitäten bei“, betonen Platt und Ross Warwick.

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Genetische Faktoren? Yancy rät von biologischen Erklärungen ab: „Es geht mehr um Soziologie als Biologie. Wirtschaftliche und soziale Faktoren erklären die Unterschiede.“

Der erste PHE-Bericht wurde für fehlende Schutzempfehlungen kritisiert. Der Folgebericht (zwei Wochen später) nennt sieben Maßnahmen: Bessere Datenerfassung zu Ethnie, Risikobewertungen für BAME-Schlüsselkräfte und kulturell sensible Botschaften.

Historischer Rassismus, schlechte Erfahrungen im Gesundheitswesen und Misstrauen (z. B. Deportationsängste) behindern Hilfe-Suche.

Forscher wie Platt und Yancy fordern engere Zusammenarbeit mit BAME-Communities für gezielte Botschaften – auch in Muttersprachen – und bessere Daten (z. B. Ethnie auf Sterbeurkunden).

„Keine große Lösung, aber ein systemischer Ansatz“, fasst Platt zusammen.