Eine führende Wohltätigkeitsorganisation hat am Vorabend des Starts der Corona-Kontaktverfolgungs-App gewarnt: Wichtige Fragen zu ihrer Wirksamkeit bleiben unbeantwortet.
Das Ausbleiben von Nachweisen über die Leistung der Technologie in Tests könnte das öffentliche Vertrauen mindern, da der Erfolg stark von der Akzeptanz abhängt, betonte die Health Foundation.
Die NHS-COVID-19-App soll am Donnerstag in ganz England und Wales starten, um die NHS-Test- und Spurensuche nach monatelangen Verzögerungen, technischen Hürden und Datenschutzbedenken zu stärken.
Sie nutzt Bluetooth, um anonym Kontakte in unmittelbarer Nähe zu protokollieren und Benutzer zu warnen, falls ein Kontakt später positiv auf Coronavirus getestet wird.
Die aktuelle Version wird seit Mitte August auf der Isle of Wight und in Newham (London) getestet. Die Health Foundation sorgt sich, dass die Ergebnisse dieser Pilotphasen noch nicht öffentlich sind, und fordert mehr Transparenz in der Entwicklung.
Sie verlangt zudem Garantien, dass die App bestehende Gesundheitsungleichheiten nicht verschärft und vulnerable Gruppen nicht höherem Risiko aussetzt.
"Bei einem so ansteckenden Virus wie COVID-19 könnte die automatisierte Kontaktverfolgung der App entscheidend sein, um die Ausbreitung einzudämmen", sagte Josh Keith, Senior Fellow der Health Foundation.
"Zusätzliche Features wie Testbuchung, Symptom-Meldung oder Risikocheck nach Postleitzahl bieten eine zentrale Anlaufstelle für COVID-19-Rat und Unterstützung."
"Für jede große öffentliche-Gesundheitsmaßnahme muss die Regierung vorab Belege für Wirksamkeit und Einsatzbereitschaft liefern. Das schafft Vertrauen, damit Nutzer wissen, dass sie und ihre Communities profitieren. Leider fehlen Daten aus den August-Pilotprojekten, sodass zentrale Wirksamkeitsfragen offenbleiben."
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Große Mobilfunkanbieter haben zugesichert, Datennutzung der App gebührenfrei zu stellen.
Das Gesundheitsministerium (DHSC) konterte: Tests belegen Präzision und Schnelligkeit der App mit positivem Nutzerfeedback.
"Wir haben mit vulnerable Gruppen zu Alter, Ethnie, Behinderung und Gesundheitsungleichheiten gesprochen. App und Materialien werden in mehreren Sprachen verfügbar sein", hieß es von einem DHSC-Sprecher.