Der Frühling startet mit Rekordhitze: Großbritannien notiert die wärmsten Februartage aller Zeiten an zwei Tagen in Folge. Temperaturen über 20 °C in Wales und im Großraum London stehen im krassen Kontrast zu den eisigen Schneegewalten der 'Bestie aus dem Osten' im Vorjahr.
Ist das ein klares Zeichen des Klimawandels? Welche Folgen hat solch frühes warmes Wetter? Als erfahrene Klimabeobachter analysieren wir die Fakten mit Experten.
Ist dieses Wetter wirklich so ungewöhnlich?
Dr. Dan Mitchell, Klimawissenschaftler an der University of Bristol, bestätigt: Die Hitzewelle war in Großbritannien, Westeuropa und Skandinavien extrem ungewöhnlich. "Rekorde wurden überall gebrochen – in Regionen mit Messungen seit 1850 oder früher", erklärt er. "Das macht diese Februartemperaturen zu einem echten Extremereignis."
Ist der Klimawandel schuld?
Wetter und Klima nicht verwechseln: Wetter ist der Tag-zu-Tag-Wechsel, Klima der langfristige Trend. "Klima ist, was Sie erwarten; Wetter, was Sie bekommen", formuliert Mitchell treffend.
Einzelereignisse allein dem Klimawandel zuzuschreiben ist schwierig. Dennoch spielen drei Faktoren: Trockenheit Anfang 2019, Hochdrucksysteme, die warme Luft aus südlichen Regionen wie den Kanaren heranführen, und mehr CO₂ in der Atmosphäre, das Energie speichert. "Der Klimawandel macht solche Events wahrscheinlicher", betont Mitchell. Frühe 20-°C-Tage, einst ein 10.000-Jahre-Ereignis, treten nun etwa einmal pro Jahrhundert auf.
Warum so anders als die 'Beast from the East'?
Letztes Jahr pumpte ein Hochdruck über Skandinavien sibirische Kälte nach Großbritannien. Diesmal floss warme Luft aus dem Süden – ein diametraler Gegensatz.
Auswirkungen der frühen Hitze
Direkt folgte Dürre: Brände in Ashdown Forest (East Sussex), Marsden Moorland (West Yorkshire) und Arthur’s Seat (Edinburgh). Weniger Regen plus Hitze trocknet Böden aus und entfacht Feuer.
Für die Natur birgt das Risiken: Viele Arten reagieren auf Wärme. Insekten und Säugetiere verlassen den Winterschlaf, Blumen blühen, Vögel nisten früh. Das Portland Bird Observatory meldet Schwalben und Hausschwalben bereits im Land – normalerweise erst im April aus Afrika. Ein Kälteeinbruch danach bedroht Jungtiere und Nahrungsketten.
Was können Sie tun?
Das RSPB rät: Bieten Sie Vögeln und Wildtieren Futter (Mehlwürmer, Fettbällchen), frisches Wasser und Nistkästen. Pflanzen Sie pollenreiche Blumen für Insekten.
Hören Sie unser Interview mit Dr. Dan Mitchell zur Hitzewelle letztes Sommer im Science Focus Podcast. Abonnieren und bewerten Sie ihn gerne!