Diesen Dezember versammeln sich Wissenschaftler, Journalisten und Politiker in Madrid zur UN-Klimakonferenz. Die Berichterstattung wird sich stark auf CO₂-Emissionen konzentrieren: Fossile Brennstoffe gelten nicht mehr als Schatz, sondern als Gefahr, die im Boden bleiben muss, um unkontrollierte Erwärmung zu verhindern.
Doch CO₂ ist nicht der einzige Luftschadstoff. Abgase aus Verkehr, Industrie und Heizungen schaden weit mehr als nur dem Klima. Weltweit sterben jährlich über 5 Millionen Menschen vorzeitig durch verschmutzte Luft – in Europa rund 400.000, in Großbritannien schätzungsweise 32.000 an Stickoxid und Feinstaub.
Viele Schadstoffe belasten Gesundheit und Klima gleichermaßen. Erstaunlich, dass Klimaschutz und Luftreinhaltung nicht enger verzahnt sind. Manche Klimamaßnahmen verbesserten die Luftqualität kaum – oder verschlechterten sie sogar.

Ein Paradebeispiel: Dieselautos. In Europa wurden sie jahrelang durch Steuererleichterungen und Marketing als klimafreundlicher als Benzin gepriesen. Doch das wird heute angezweifelt.
Viele Dieselbesitzer erlebten einen großen Unterschied zwischen Wertekraftstoffverbrauch und Realität. Das führte zu höheren Kosten und geringeren CO₂-Vorteilen als erwartet.
Zudem emittieren ältere Dieselmotoren rußige Schwarzkohlenstoff-Partikel. Diese schaden der Gesundheit und erwärmen das Klima, da sie Sonnenwärme absorbieren. In Europa dominieren sie den Ruß auf arktischem Schnee – fördern Schmelze und damit den Klimawandel.
Die Diesel-Boom-Problematik: Europas Raffinerien konnten der Nachfrage nicht folgen, Importe aus ineffizienten russischen Anlagen untergruben den Klimavorteil weiter.
Insgesamt war der Diesel-Anstieg klimaschädlich und ruinierte die Luftqualität. Er ist Hauptgrund, warum viele europäische Städte die Stickoxid-Grenzwerte fast ein Jahrzehnt zu spät einhalten.
Holzverbrennung gilt als erneuerbar und klimaneutral. Immer mehr Holz wird für Strom und Heizung genutzt. Ein gemütliches Feuer ist schön, doch CO₂-Einsparungen sind fraglich.
Beim Verbrennen entsteht pro Wärmeeinheit mehr CO₂ als bei Kohle, doppelt so viel wie bei Gas – durch Holzschemie und Feuchtigkeit (bis 40 %). Das Wasser verdampft energieintensiv.
Holz-CO₂ wird in Minuten freigesetzt, was Bäume Jahrzehnte brauchten. Neutralität durch Neuwachstum? Ja, aber verzögert – kurzfristig mehr CO₂ als bei Fossilien.
Bei Altbäumen kann die Amortisation über ein Jahrhundert dauern. Forstabfälle sind am besten. Holzverbrennung als "klimafreundlich" ist daher Vorsicht geboten – gerade jetzt, um Kipppunkte zu vermeiden.
Zudem verschmutzt Holzrauch die Winterluft in Westeuropa massiv. In Großbritannien ist Haus-Holzheizung die größte Partikelquelle.
Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Effizienter als reine Stromerzeugung (50 % Verluste). Früher landwärtig wegen Smog, heute zunehmend städtisch.
Kleine KWK in Gebäuden nutzen Abwärme lokal – gut für Klima, doch Risiko für städtische Luft. In London könnten 2.500 Anlagen entstehen; Prognosen von King’s College London warnen vor Ausgleich bisheriger Verbesserungen.
Besser: Wärmepumpen mit Ökostrom.
In meinem Buch The Invisible Killer analysiere ich die Luftkrise und wie isolierte Ansätze scheitern. Stattdessen: Systemdenken gegen Luft als Abfallkip.
Win-Wins: Erneuerbare wie Wind/Sonne/Welle reduzieren beides. Effizienz in Gebäuden spart Emissionen und schützt Energiearme.
Verkehr: 25 % Fahrten unter 2 Meilen – ideal für Fuß/Rad/ÖPNV. Weniger Verkehr mindert Klimaemissionen, Schadstoffe, Lärm und Inaktivität.
40 % London-Transporter halb leer: Lieferungen reduzieren, E-Lastenräder nutzen.
Zukunftschancen: Afrikas Wachstumsländer können fossile Sprünge überspringen. Studie: Bis 2030 48.000 Todesfälle und Emissionen vermeidbar durch Sauberes.