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Rekord-Schmelze am Grönland-Eisschild 2019: Sechs olympische Schwimmbäder pro Sekunde

Der Eismassenverlust des Grönland-Eisschilds im Jahr 2019 übertraf den bisherigen Rekord von 2012 um 15 Prozent, wie eine aktuelle Studie des Alfred-Wegener-Instituts zeigt.

Im Vergleich war die Schmelze in den Jahren 2017 und 2018 – gemessen über alle Zweijahresperioden seit 2003 – außergewöhnlich gering.

Der Grönland-Eisschild ist der Hauptfaktor für den Anstieg des globalen Meeresspiegels und trägt mit rund 0,76 mm pro Jahr zu den insgesamt etwa 3,5 mm jährlichem Anstieg bei (2005–2017), betonen die Forscher.

Mithilfe der Satellitenmissionen Grace und Grace-FO quantifizierten Experten den Eismassenverlust, indem sie Schwerkraftschwankungen analysierten. Ingo Sasgen vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und sein Team untersuchten Daten von 2003 bis 2019.

Sie stellten eine extrem niedrige Schmelze 2017/2018 fest, gefolgt von einem Rekordhoch 2019 mit etwa 532 Gigatonnen Eisverlust. Zum Vergleich: 2012 waren es rund 464 Gigatonnen.

Klimamodell-Simulationen deuten darauf hin, dass die geringe Schmelze 2017–2018 auf kalte Sommer in Westgrönland und starken Schneefall im Osten zurückzuführen ist.

In ihrer Studie, veröffentlicht in Communications Earth & Environment, schreiben die Autoren: „Die Grace/Grace-FO-Daten zeigen einen abrupten Übergang von einer reduzierten Massenverlustrate 2017–2018 (58 % unter dem Durchschnitt 2003–2018) zu einem starken Anstieg 2019 (Juli-Rate 51 % über dem Durchschnitt 2003–2016). Ein ähnlicher, umgekehrter Wechsel geschah nach dem Rekordjahr 2012 ins nahezu ausgeglichene 2013.“

Die Jahresbilanz 2019 übertraf den Grace-Rekord von 2012 und markierte den größten Massenverlust seit Aufzeichnungsbeginn – nach zunehmendem Eisverlust seit den 1990er Jahren.

Yara Mohajerani von der University of California Irvine betont in einem News-and-Views-Artikel in Nature Climate Change: „Es ist entscheidend, die Massenbilanz des Grönland-Eisschilds genau zu überwachen. Sasgen und Kollegen leisten hier einen wichtigen Beitrag.“

Professor Ed Hawkins von der University of Reading veranschaulicht: „532 Gigatonnen im Jahr 2019 entsprechen etwa sechs olympischen Schwimmbädern pro Sekunde.“

Dr. Twila Moon von der University of Colorado Boulder warnt: „2019 war ein weiteres Rekordjahr. 2012 lag das letzte vergleichbare Ereignis 150 Jahre zurück, das davor 600 Jahre. In unter 10 Jahren nun zweimal Rekordverlust – und jährlicher Eisverlust seit 20 Jahren. Grönland befindet sich in einem alarmierenden Schmelzzustand, der weltweit zu steigenden Meeren führt.“