Eine renommierte Studie des Weizmann Institute of Science offenbart: Die Masse in menschengemachten Objekten wie Gebäuden, Straßen und Maschinen hat sich in den letzten Jahrhunderten alle 20 Jahre verdoppelt. Bis Ende 2020 könnte sie die gesamte lebende Biomasse der Erde übertreffen.
Diese Ergebnisse unterstreichen den enormen Einfluss der Menschheit auf unseren Planeten, betonen die Forscher.
Seit der ersten landwirtschaftlichen Revolution haben wir die pflanzliche Biomasse halbiert – von rund 2 Teratonnen (2.000.000.000.000 Tonnen) auf etwa 1 Teratonne. Ursache: Landnutzungsänderungen durch Landwirtschaft und Abholzung.
Die wachsende Produktion anthropogener Masse – also menschengemachter Materialien – verschiebt das Gleichgewicht zwischen Leben und Artefakten dramatisch.
„Die Erde steht genau am Wendepunkt“, schreiben die Autoren in der Fachzeitschrift Nature. „2020 wird die anthropogene Masse, die sich zuletzt alle 20 Jahre verdoppelt hat, die gesamte globale Biomasse übersteigen.“
„Jede Woche produziert die Menschheit pro Person mehr anthropogene Masse als ihr eigenes Körpergewicht wiegt.“
Ron Milo und Team vom Weizmann Institute in Israel haben Biomasse und anthropogene Masse von 1900 bis heute analysiert. Zu Jahresbeginn 1900 betrug die Masse menschengemachter Objekte gerade 3 Prozent der Biomasse.
Heute wiegt die anthropogene Masse etwa 1,1 Teratonnen und übertrifft die globale Biomasse. Die Biomasse ist leicht geschrumpft, während wir jährlich über 30 Gigatonnen (30.000.000.000 Tonnen) neue Masse erzeugen – eine Gigatonne ist ein Tausendstel einer Teratonne.
Gebäude und Straßen dominieren, ergänzt durch Kunststoffe und Maschinen.
Veränderungen in der Materialzusammensetzung spiegeln Baustrends wider: Der Wechsel von Ziegeln zu Beton ab den 1950er Jahren, Asphalt für Straßen in den 1960er Jahren. Globale Bauboom-Phasen nach dem Zweiten Weltkrieg treiben dies an.
Der exakte Kreuzungspunkt hängt von Definitionen ab. Basierend auf Trockengewicht könnten Nassgewichte oder andere Kategorien leichte Abweichungen ergeben – doch der Übergang liegt im vergangenen, gegenwärtigen oder nahen Jahrzehnt.
Bei Fortsetzung der Trends überschreitet die anthropogene Masse inklusive Abfall bis 2040 voraussichtlich 3 Teratonnen.
„Diese Arbeit quantifiziert den menschlichen Fußabdruck präzise“, betonen die Experten. „Die abrupten Veränderungen rechtfertigen die Umbenennung unserer Epoche ins Anthropozän.“
„Unsere Analyse untermauert diesen Vorschlag wissenschaftlich fundiert.“