DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Rückgang des Glaubens an Gott in Großbritannien: Wissenschaft ist nicht der wahre Grund

Großbritannien zählt zu den säkularsten Ländern weltweit. Der Glaube an Gott sowie andere religiöse Indikatoren sind seit Jahrzehnten rückläufig. 1961 bejahten noch 91 Prozent der Briten in einer Umfrage der National Opinion Polls ihren Glauben. Bis 2018 sank diese Quote laut der British Social Attitudes-Umfrage auf 55 Prozent, während 26 Prozent angaben, nie an Gott geglaubt zu haben.

Trotzdem bleibt eine Mehrheit der Briten gläubig – sei es überzeugt oder zögerlich. Der Glaube an Gott nimmt langsamer ab als andere religiöse Praktiken wie Kirchenmitgliedschaft oder Ritualteilnahme. Organisierte Religion verliert Anhänger schneller als der persönliche Glaube an Gott.

Dies widerlegt die gängige These, dass sinkender Gottesglaube Kirchenabkehr verursacht. Oft ist es umgekehrt: Ohne religiöse Zugehörigkeit glauben Menschen seltener an Gott. Wer in einer nicht-religiösen Familie ohne Kontakt zu Glaubensgemeinschaften aufwächst, teilt diesen Glauben kaum.

Der Hauptgrund für den Rückgang: Weniger Menschen werden religiös sozialisiert. Sie fehlen die "Plausibilitätsstrukturen" – die soziokulturellen Normen und Deutungsrahmen –, die in religiöseren Gesellschaften den Glauben stützen.

Diskussionen über Gott in Schulen, Universitäten, am Arbeitsplatz oder in Medien sind rar geworden und oft tabuisiert. Gläubige fürchten, als rückständig oder unintelligent zu gelten. Selbstbewusste Atheisten verstärken diese Stigmatisierung.

Mehr davon

Philosophische Argumente wie das "Problem des Bösen" – warum lässt ein allmächtiger, gütiger Gott Leid zu? – stellen Monotheismen vor Herausforderungen. Polytheistische Vorstellungen mit begrenzter Macht umgehen dies leichter.

Spiritueller Pluralismus

In Großbritannien sind laute Atheisten und Theisten Minderheiten. Die Mehrheit bleibt agnostisch, offen für Unsichtbares, Götter oder das Gefühl, "da draußen ist mehr".

Der Abwärtstrend könnte anhalten, ist aber nicht zwangsläufig. Der Glaube evolviert; christliche Monotheismus-Strukturen schwächen sich, doch religiöser Pluralismus, Toleranz und neue Spiritualitätsformen schaffen frische Plausibilität und Zugänge zum Göttlichen.

Das zukünftige Bild: Eine diverse Landschaft aus religiösen, säkularen und atheistischen Strömungen.