Im Jahr 1628 sorgte der englische Arzt William Harvey für Aufsehen mit seiner bahnbrechenden Theorie zur Blutzirkulation. Bis dahin hatten Mediziner die über 1.300 Jahre alten Lehren des Griechen Galen befolgt, der annahm, Blut entstehe in der Leber und werde vom Gewebe verbraucht. Harvey hingegen zeigte: Das Blutvolumen ist konstant, zirkuliert unablässig durch den Körper und wird in Lunge sowie anderen Organen erneuert.
Harveys Erkenntnis implizierte eine begrenzte Blutmenge und warf damit etablierte Praktiken wie den Aderlass in Frage. Trotz heftiger Kritik wurden seine Thesen wissenschaftlich bestätigt – er gilt als einer der Väter der modernen Medizin.
Historische Forschungen enthüllen jedoch: Über 400 Jahre früher hatte der arabische Arzt Ibn al-Nafis im 13. Jahrhundert Galens Modell widerlegt. Er postulierte winzige Blutgefäße – heute Kapillaren genannt –, die den Kreislauf ermöglichen. Ihre Existenz wurde erst im 17. Jahrhundert bewiesen. Leider blieb al-Nafis' Werk in Europa bis ins 20. Jahrhundert unbekannt.