The Lancet äußert erhebliche Bedenken zu einer kürzlich veröffentlichten Studie, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu veranlasste, Tests mit Hydroxychloroquin und Chloroquin als potenzielle COVID-19-Therapien vorerst auszusetzen.
Das Paper vom 22. Mai hatte festgestellt, dass diese Malariamedikamente – auch bei Arthritis und Lupus eingesetzt – bei hospitalisierten COVID-19-Patienten mit erhöhtem Todesrisiko und Herzrhythmusstörungen assoziiert waren.
US-Präsident Donald Trump war für die Werbung dieser Präparate als Wundermittel kritisiert worden.
Die Studienautoren warnten: Keines der Medikamente sollte außerhalb klinischer Studien bei COVID-19 verwendet werden; randomisierte Studien sind essenziell.
Aufgrund der Ergebnisse setzte die WHO Hydroxychloroquin-Tests in COVID-19-Studien sicherheitsbedingt aus, um die Daten zu prüfen.
Am Dienstagabend veröffentlichten The Lancet-Herausgeber eine "Expression of Concern". Sie wiesen auf "wichtige wissenschaftliche Fragen" zu den Daten hin, die vom US-Unternehmen Surgisphere Corporation stammen – Gründer Dr. Sapan Desai war Mitautor.
Bedenken tauchten zunächst in Blogs und auf PubPeer auf, einer Plattform für die Diskussion wissenschaftlicher Arbeiten. Kritikpunkte: Unglaubwürdig hohe Sterberaten bei etablierten Medikamenten.
The Lancet erklärte: "Eine unabhängige Prüfung der Datenherkunft und -gültigkeit durch nicht mit Surgisphere verbundene Autoren läuft; Ergebnisse folgen bald. Wir machen Leser auf diese Fragen aufmerksam und aktualisieren diese Meldung."

Surgisphere reagierte: "Wir analysierten eine spezifische Gruppe hospitalisierter COVID-19-Patienten und warnten vor Überinterpretation. Als Beobachtungsstudie hat sie Grenzen; Off-Label-Nutzung außerhalb Studien raten wir ab."
"Unsere COVID-Forschung wurde unabhängig finanziert – keine Pharma-, Spender- oder Politikmittel. Das Team investierte privat, um in der Pandemie zu helfen."
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Die Studie umfasste Daten von knapp 15.000 COVID-19-Patienten unter den Medikamenten und 81.000 ohne. Die Behandlung – allein oder mit Antibiotika – barg höheres Risiko für Herzkomplikationen und Tod.
Patienten mit anderen Indikationen sollten die Einnahme nicht abbrechen, betonten die Autoren.
Das zusätzliche Risiko – primär den Medikamenten zuzuschreiben – lag bei 34 bis 45 Prozent.

Prof. Babak Javid, Infektionsforscher an der Tsinghua-Universität Peking: "Zunehmende Zweifel an der Datenqualität, z. B. angebliche australische Fälle übersteigen offizielle Zahlen. Der Schaden ist angerichtet – weitere Studien könnten leiden."